sie küßte ihn –

da küßte sie ihn.

»Kein Vogel singt im Eschenbaum,« rief Asmus, »aber das schadet nichts; wir können’s ja selbst.«

Dann sprangen sie auf; Asmus schüttelte seinen Mantel, daß die Flocken stoben, warf ihn sich um und stürmte im Galopp den abschüssigen Weg hinab ins dichtere Gehölz hinein, und im Galoppieren sang er laut:

Sie ritten durch den grünen Wald, Wie glücklich da der Reimer war! Sie ritten durch den grünen Wald Bei Vogelsang und Sonnenschein –

und als sie ihn einholte und von hinten her die Arme um seinen Hals schlang, da legte er den Kopf zurück, daß Wange an Wange lag, und sang:

Und wenn sie leis am Zügel zog, Dann klangen hell die Glöckelein.

LII. Kapitel.

Hilde verliebt sich in Semper den Älteren, bekennt sich zu Chamisso und entpuppt sich als eine alte Bekannte.

Mit der Bekanntmachung ihrer Verlobung hatten sie es nicht im geringsten eilig; ob die Welt sie für Brautleute hielt oder nicht, war ihnen beiden grenzenlos gleichgültig. Aber seinen Eltern wollt’ er’s nicht länger verbergen, obwohl ihn Zweifel befielen, wie sie es aufnehmen würden. Eigentlich zweifelte er nur an dem Beifall seiner Mutter. Ludwig Semper, das wußte er, so leer ihm das Haus ohne seinen Asmus werden mochte, würde Asmussens Erwählte willkommen heißen, bevor er sie gesehen; aber Rebekka –? Mütter sind eifersüchtig, und überdies war er erst 23 Jahre! Sie wird schelten, dachte er. Aber sie schalt nicht; sie schüttelte nur den Kopf und sagte: »Junge, Junge, du bist ja noch so jung!«