»Aber Mutter!« rief Asmus lachend und faßte sie bei beiden Schultern, »du hast ja auch jung geheiratet!«
»Ja, das war damals auch ganz anders!« rief sie.
Ludwig Semper konnte dieser Geschichtsauffassung nicht beipflichten; er wußte noch, wie junge Herzen schlagen, und sagte, Asmus möge seine Braut am Sonntag nur mitbringen.
Und an diesem Sonntag feuchtete er keinen Tabak an und grübelte er nicht; er hatte seinen guten schwarzen Rock angezogen und ein feines weißes Tuch umgelegt – denn ein gesteifter Kragen durfte ihm nicht an den Hals kommen – und ging munter und aufgeräumt im Hause umher, und wenn er sich allein wußte, sah er mit strahlenden Augen in die Ferne und summte vor sich hin: »Tränen, vom Freunde getrocknet.« Und als es hieß: »Sie kommen!« und die Tür aufging und Asmus rief: »Da ist meine Braut!« da stand Ludwig Semper da wie ein herrlicher, gütiger Nordlandskönig, dem sein Erbe die junge Königin zuführt; er streckte seine warme kräftige Hand aus und sagte nichts als:
»Seien Sie uns herzlich willkommen!«
Aber als sie sein Lächeln sah, mußte sie ihm entgegenlächeln wie sein eigenes Kind, war alle Befangenheit von ihr gefallen wie ein Schleier, wußte sie ganz, daß sie aufgenommen sei in den Frieden des Hauses. Rebekkas Willkommen war ganz anders. Sie rannte geschäftig hin und her und bemühte sich um den Gast, als sei er von einer mehrjährigen Nordpolfahrt heimgekehrt und müsse mit allen erfindbaren Mitteln aufgetaut, gewärmt, getränkt und gespeist
werden. Ein bißchen Eifersucht saß ihr wohl trotzdem im Herzen; aber schon beim dritten Besuche Hildens sagte sie ganz von selbst:
»Du bist ein süßes Geschöpf!«
Hilde aber sagte schon nach ihrem ersten Besuche auf dem Heimwege zu Asmus:
»Du, ich will dich nicht mehr; ich will deinen Vater heiraten.«