»Ja. Ich liebe den ganzen Zyklus unbeschreiblich.«
»Die Verse oder die Musik?«
»Beides. Aber die Verse noch weit mehr als die Musik. Sie sind nach meiner Meinung das Schönste, was von der Frau gesungen werden kann.«
»Ja. Mir scheint auch, er hat die Frau nicht besungen, er hat sie gesungen. Das Weib, das in diesen Versen dasteht, überragt Gretchen und Klärchen an Schönheit, Lieblichkeit und Größe; es ist von klassischer Hoheit, aber es ist nicht antike, es ist deutsche Klassik. Wir haben überhaupt nur wenig so deutsche Dichter wie diesen Franzosen. Da fällt mir ein: ich wollte dich immer schon fragen, woher dein französischer Name stammt.«
»Meine Urgroßeltern väterlicherseits wohnten im Elsaß.«
»Ah – daher dein französisches Aussehen.«
»Hast du’s nicht gern?«
»Ich glaube, den Beweis erbracht zu haben. Du bringst das Kunststück fertig, pikant und deutsch zu sein.« Und dann rezitierte er leise:
Wandle, wandle deine Bahnen; Nur betrachten deinen Schein, Nur in Demut ihn betrachten, Selig nur und traurig sein!
Höre nicht mein stilles Beten, Deinem Glücke nur geweiht; Darfst mich niedre Magd nicht kennen, Hoher Stern der Herrlichkeit.