Hilde starrte ihn sprachlos an.

»Hilde,« rief er, »du hast einen Onkel in Griechenland –«

»Ich hatte ihn – er ist tot –«

»Den nannte man den ‘König der Mainotten’!«

»Ja!«

»Hilde! Wir haben uns also vor zwölf Jahren schon gesehen! Der kleine Junge war ich! Vor zwölf Jahren schon sind wir uns begegnet.« Er war so bewegt, daß er aufspringen und auf und ab gehen mußte. Und er erzählte ihr, wie wundersam ihn damals die Begegnung mit dem lieblichen, traurigen Kinde ergriffen habe, wie er wochenlang fast täglich nach der Wirtschaft zwischen den Bahndämmen in Oldensund gelaufen sei, um die »Königin der Mainotten« wiederzufinden – denn sie hatte erzählt, der Onkel wolle sie zu seiner »Königin« machen – wie er sie niemals wiedergesehen, aber wie ihre Erscheinung und ihr Wesen ihn mit einem jahrelang nachleuchtenden, tröstenden Licht erfüllt habe.

»Hilde! Hilde!« – –

Und ihr Gespräch ward ein leises, trauliches Fragen und Erzählen; sie erzählte ihm die Geschichte ihres Lebens. Was sie nicht erzählte, das ergänzte er sich leicht aus dem Zwange der

Tatsachen und aus dem, was er früher von ihr und von andern gehört. Und immer wieder fühlte Asmus mit Beschämung, wie sehr ihn von je das Glück begünstigt habe, schon dadurch, daß er bis heute zwei liebende und geliebte Eltern besessen, und wieviel mehr der Kraft, des Mutes, der Liebe das Leben von ihr gefordert hatte als von ihm!

LIII. Kapitel.