Und einmal, als er so bei ihr saß, in ihrem Nähkästchen kramte und mit allerlei zierlichen Büchschen und Kästchen spielte, die er darin fand, holte er einen Glasmarmel daraus hervor, eine durchsichtige Glaskugel, in der man eine geflügelte Gestalt, eine Fortuna, wie es schien, erblickte.

»Sieh da,« sagte er, »genau solch einen Marmel hab’ ich auch einmal besessen. Eigentlich ein hübsches Symbol, wenn ich es jetzt betrachte. Die Glücksgöttin nicht über der Welt,

sondern in der Welt, sie selbst nur ein Stück der rollenden Notwendigkeit ...«

»Ich weiß eigentlich selbst nicht,« sagte sie lächelnd, »warum ich ihn immer aufgehoben habe. Wenn man solch ein Ding lange bei sich verwahrt hat, ist es gerade, als hätt’ es ein Recht an uns erworben, und wenn man es wegwerfen will, ist es, als säh es einen vorwurfsvoll an, und man kann es nicht aus den Fingern loswerden. Ich hab’ ihn vor vielen Jahren von einem kleinen Jungen bekommen.«

Sie sagte das, indem sie sich auf ihre Näharbeit bückte; aber es war ihr, als zöge eine geheime Kraft ihren Kopf empor, und als sie aufblickte – wirklich, da starrte Asmus sie an mit einem Blick, der aus der Ferne einer längst vergangenen Zeit zu kommen schien.

»Von einem kleinen Jungen hast du ihn bekommen?« sprach er langsam. »Wann? Wo?«

»Ja, wenn ich das noch wüßte! – Was hast du? Warum bist du –«

»Bitte, frag’ mich jetzt nicht – sag’, wann es war und wo?«

»Ja – zwölf Jahre ist es zum mindesten her – ich weiß nur noch: ich saß auf der steinernen Treppe vor einer Gastwirtschaft und wartete auf meinen Vater, der erledigte drinnen ein Geschäft, da kam der kleine Junge und schenkte mir den Marmel.«

»Hilde,« rief Asmus mit seltsam leuchtenden Blicken, »sah der Junge aus wie ein kleiner, dicker Asmus Semper?«