Die Tante glaubte nicht recht zu hören.
»Drei Jahre hat sie gelitten, und Ihr habt Euch nicht um sie und nicht um ihre Kinder gekümmert. Geht hinaus und nehmt Eure Kränze mit.«
Und die Klageweiber schlichen betreten mit ihren Kränzen davon.
Ein Bruder ihrer Mutter gab ihnen nun das Notdürftigste zum Leben. Die Verstorbene
hatte immer darauf gehalten, daß ihre Kinder, wenn es irgend zu erschwingen war, am Sonntag einen Kuchen bekämen. Und eines Sonntags kaufte Hilde ihren Geschwistern für wenige Pfennige ein paar Kuchen, weil sie die verlangenden Blicke der Kleinen nicht ertragen konnte. Das hörte der Onkel und überhäufte sie mit Vorwürfen, daß sie nichts verdiene und fremdes Geld noch obendrein vergeude. Da beschloß sie, ein Ende zu machen. Sie ging zum Armenpfleger und sorgte dafür, daß ihre Geschwister bei wackeren Leuten ihrer Bekanntschaft untergebracht würden. Und dann ging sie zum Seminardirektor, um ihren Austritt aus dem Seminar anzumelden. Sie wollte einen Dienst annehmen, und wenn es der niedrigste wäre. Nur nicht mehr von der Gnade der Menschen abhängen!
Herr Direktor Dr. Korn war noch im Schlafrock und Pantoffeln; aber er dachte nicht daran, diese Toilette einer jungen Dame wegen zu ändern.
»Was wünschen Se?« fragte er unwirsch.
Sie erklärte, daß sie auszutreten wünsche.
Er starrte sie an und sagte: »Se sind wohl nicht recht jescheit. Jetzt, wo Se ’n halbes Jahr vor der Prüfung stehen?«
Sie erklärte ihm, daß sie müsse und warum sie müsse.