»Hm. Und wat woll’n Se denn jetzt anfangen?«

»Irgendeinen Dienst annehmen.«

»I Jott bewahre. Det jiebt’s nich. Wir lassen Se nich los. Wir jeben Ihnen in einem unserer Schulhäuser ’ne Wohnung, umsonst, mit Feurung. Für’s Essen wird sich auch Rat finden. Und vielleicht läßt sich auch noch irgendwo ’n kleines Stipendium losmachen.«

Hilde hatte Mühe, ihre Tränen zu unterdrücken.

»Also austreten is nich. Det schlagen S’ sick man aus’m Kopf.«

»Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll, Herr Direktor,« stotterte Hilde.

»Is auch jar nich nötig. Halten Se man’n Kopf hoch.«

»Vielen, vielen Dank, Herr Direktor.«

»Bitte« sagte Korn nicht; all dergleichen Überflüssigkeiten verachtete er.

So war nun der äußersten Not gewehrt, aber freilich nur der äußersten. Wohl hatte sie sechs Freitische: aber die Woche hatte noch immer sieben Tage, und auch am Morgen und am Abend empfindet der Mensch ein Bedürfnis nach Nahrung. Damit nun ihre Mitschülerinnen nicht auf den Gedanken verfielen, daß sie nichts zu essen habe, versagte sie sich das Abendbrot: dann hatte sie ein paar Groschen für ein Frühstück. Auch war es für ein siebzehnjähriges Mädchen ein unheimliches Wohnen hoch oben in dem verlassenen Schulhause, und in verzweifelten Augenblicken flüchtete sie sich in den