»Meiner Antje Nissen
In Schauern der Ehrfurcht gewidmet.«

Da lachte sie noch herzlicher, und ihr Lachen führte immer unfehlbar zum Küssen. Vom Küssen kamen sie dann wieder ins Lachen, kurz, es war der alte wohlbekannte circulus vitiosus der ja in der Logik eine wichtige Rolle spielt.

Es kann nicht von allen Szenen dieser Art berichtet werden, um so weniger, als sie für den älteren Leser eher ärgerlich als unterhaltend sind. Nur so viel sei gesagt: Sie liebten sich so zärtlich, daß sie die zärtlichen Worte und Kosenamen unseres Sprachschatzes längst verbraucht hatten und, wenn sie ihre ganze Liebe in ein recht von Grund aus erschöpfendes Wort pressen wollten, zu Injurien greifen mußten. Wenn er sie zu hart angefaßt hatte, rief sie mit einem goldenen Lachen in den Augen: »Du Gassenjunge du, du Rowdy!« und er flüsterte

mit überquellendem Jubel: »Du Hexe du, du Teufelsweib!« und meistens, wenn sie dergleichen gesagt hatten, kam gerade der Kellner. Asmus Semper war damals noch recht unbekannt, sonst würde gewiß eines Tages in den Zeitungen gestanden haben, daß er und seine Braut sich »Hexe« und »Gassenjunge« schimpften.

Wenn sie dann nach der hochnotpeinlichen Prüfung an die Elbe hinunterwanderten, sich in den Sand streckten und die Schiffe kommen und gehen sahen, wenn Hilde heimlich herbeischlich, ihr Gesicht leise über das seine neigte und ihn küßte, wenn dann alles Glück der Kindheitserinnerung mit dem Glück der Gegenwart in Asmussens Herzen zusammenschmolz, dann mußte er laut oder schweigend ein Dankgebet sprechen. Er, dem in trüben und schweren Tagen nie der Gedanke an einen persönlichen, väterlich waltenden Gott kam, in Augenblicken überwältigenden Glückes hatte er das Bedürfnis nach irgendeinem Wesen, dem er danken könne, und unter Lachen und Tränen rief er stumm oder mit lautem Jubel in den Himmel hinauf: »Herrgott, du verwöhnst mich, du verwöhnst mich entschieden! Lieber Gott, laß mich nicht ersticken in meinem Glück!«

LV. Kapitel.

Zeichnet sich durch Kürze aus, die aber nicht Schuld des Verfassers ist.

Nach dem zweiten Examen wollte Murow, der Seminardirektor, ihn an die Seminarschule ziehen. Aber Asmus lehnte abermals dankend ab.

Und bald darauf machten die beiden sich auf, eine Wohnung zu suchen. In einer westlichen Vorstadt Hamburgs, in einem Hinterhäuschen, fanden sie zwei Zimmer, eine Kammer und eine Küche. Als sie diese Räume sahen, waren sie mit einem einzigen Blicke einverstanden: Hier kann das Glück wohnen. Als Asmus dem Hauswirt den »Gottespfennig« in die Hand drückte, war der erstaunt über die Größe des Geldstücks. Es war ein Taler. Heute konnte Asmus es sich leisten, Grundeigentümer zu beschenken. Er war dem Manne so dankbar, daß er ihm die reizende Wohnung abgelassen hatte!

Als er aber für einen Aufsatz, den er in einer Zeitschrift veröffentlicht hatte, ein ansehnliches