O wie bimmel, bammel, bummelt, O wie bimmel, bammel, bummelt, O wie bummelt mir mein Frack! Ich hab noch nie einen Frack gehabt, der mir so sehr gebimmelbammelt hat –
aber wenn dann die Kneipe da war, ja, da gab es wohl zuweilen lustige Stunden; aber es war nicht das, was er gehofft hatte; es fehlte ein Duft – ein Glanz – eine unnennbare Weihe – es fehlten die rosigen, silbernen Wolken über der Versammlung – – –!
Er begriff überhaupt nicht, warum die Menschen nicht öfter lachten und nicht öfter weinten, da doch die Welt so reichen Anlaß dazu bot. Als er einmal eine Molieresche Komödie sah und die Situation auf der Bühne plötzlich eine künftige Situation von großer Komik ahnen ließ, da schoß ihm ein so gewaltiges Lachen in die Nase, daß er es nicht zurückhalten konnte; da er es aber dennoch zurückhalten wollte, so kam ein eigentümlicher Prust-, Schnupf- und Grunzlaut zustande, über den das ganze Publikum in laute Heiterkeit ausbrach. So hatte sich Asmus vermutlich noch nie geschämt wie in diesem Augenblick; es ist anzunehmen, daß er bis in die Zehenspitzen errötete; aber nachher mußte er sich doch fragen: Warum habe ich denn allein gelacht? Warum lachten nicht alle?
VIII. Kapitel.
Warum Ludwig Semper nicht in den »Lohengrin« ging und Asmus mit einem Windhund verkehrte.
Wenn er von der monatlichen Kneipe der Albingia einmal spät nach Hause kam, so schüttelte Frau Rebekka den Kopf und äußerte ihre Besorgnisse; aber Ludwig Semper lachte vergnügt in sich hinein und sagte: »Laß ihn; das gehört dazu.« Auch er hatte zu Schleswig seine heimlichen Gymnasiastenkneipen gefeiert und den Landesvater gesungen, und manchesmal, wenn das Vergangene in ihm erwachte, hatte er, am Tabakstische sitzend und das blanke Zigarrenmesser schwingend, gesungen:
»Seht ihn blinken In der Linken Diesen Schläger, nie entweiht! Ich durchbohr den Hut und schwöre: Halten will ich stets auf Ehre, Stets ein braver Bursche sein!«
Dagegen hatte Ludwig Semper für eine andere Neigung seines Sohnes durchaus kein Verständnis: Er begriff nicht, wie man ohne Not einen Weg von mehr als einer Viertel- oder
gar halben Stunde machen konnte. Wenn Asmus in den Ferien Spaziergänge von vier Stunden machte, so schüttelte Ludwig andauernd den Kopf; bei einem acht- oder zehnstündigen Ausflug aber wurde er sozusagen böse, warf das linke Bein über das rechte und murmelte: »Verrückt!« Er schien das für gesundheitsschädlich zu halten, und einer der Gründe, weshalb er noch immer nicht den Lohengrin gehört hatte, war der, daß man ins Hamburger Stadttheater eine Stunde zu gehen hatte. Asmus hingegen hatte Seume gelesen, und einer seiner Träume war es, einen Spaziergang nach Syrakus zu machen, wie ihn dieser etwas nüchterne, etwas trockene, aber in seiner Unabhängigkeit, Kraft und Lauterkeit dennoch poetische Mann gemacht hatte.
Unter den Studiengenossen, mit denen Asmus seine botanisch-zoologisch-mineralogisch-poetisch-politisch-philosophisch-cerealisch-bacchischen Ausflüge – denn das Frühstück spielt bei Siebzehnjährigen eine genau so große Rolle wie der Idealismus – zu unternehmen pflegte, waren es besonders zwei, zu denen er in ein näheres Verhältnis trat. Der eine war sein Mithospitant Morieux, und dieser hatte Eigenschaften, die wohl auf einen französischen Vorfahren schließen lassen konnten. Er war ein hübscher, schlanker, geschmeidiger Bursche mit dunklem Haar und einem famosen schwarzen Schnurrbärtchen und zeigte in Sprache und Gebärden