Aber tiefer und sehrender, als es aus diesen pathetischen Jünglingsversen klang, wurde das Weh, als nun die Tage kamen und gingen ohne den Freund und als er in der nächsten Versammlung der »Treue« das Gesicht des Besten vergebens suchte. Er war einsilbig und ernst und ging lange vor der gewohnten Zeit nach Hause.

XXIII. Kapitel.

Asmus als Verteidiger zweifelhafter Unschulden und Adolfine Moles als Seminardirektor.

Das gigantische Schicksal, das immer vornehm bleibt, hat eine kleine schieläugige, bucklige und boshafte Schwester, die ein Vergnügen daran findet, den Verfolgten und Leidenden im Augenblick ihres größten Unglücks noch einen kleinen Extraprügel zwischen die Beine zu werfen, oder sie durch einen heimlich angefügten Zettel lächerlich zu machen, oder ihnen just in dem Augenblick, da ihr Recht an den Tag kommen soll, eine kleine Schuld vor die Füße zu rollen, daß sie straucheln. Wenn ein Lump und ein Ehrenmann vor dem Richter stehen, dann wird im Gerichtssaal immer ein Steinchen liegen, an dem der Redliche sich den Fuß verstaucht. So gingen denn zu der Zeit, als Semper den eben verlorenen Freund betrauerte und der »Klassenkampf« zwischen den Seybolden und den »Schäflein« (ein ewiger Klassenkampf!) den höchsten Hitzegrad erreicht hatte, Morieux, Semper und zwei andere Schäflein, Namens

Klöhn und Wackerbarth, über den »Dragonerstall« durch das Holstentor. Morieux hatte gerade einen kolossalen Witz erzählt, und alle vier Jünglinge lachten laut, als ihnen ein langer, grauer Pastor in den Weg kam.

»Halloh, Pastor Zump!« rief Klöhn nicht eben laut, aber doch laut genug für das Ohr des Geistlichen, und da die vier einmal im Lachen waren, so lachten sie weiter. Es war eine Art Backfischgekicher ins Jungenhafte übersetzt. Asmus kannte keinen Pastor Zump und fragte: Wer ist das? und bemerkte den Mann erst, als er vorüber war. Er hatte rein nach dem Gesetz der Beharrung weitergelacht. Aber »langgebeint, mit langen Sätzen« kam der Mann alsbald zurück.

»Wie heißen Sie?« fuhr er Morieux an.

»Wieso?« fragte der.

»Wollen Sie mir Ihren Namen nennen?«

»Nein. Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen.«