Einstweilen war er für Asmussen der rachsüchtige Pfaffe, der Hoogstraten und Peter Arbues, den er nie in seinem Leben um Verzeihung bitten würde. Dann aber kam die Relegation. Dann war alle Mühe und Sorge von viertehalb Jahren dahin, dann konnte er alle seine Frühlingshoffnungen begraben und Zigarrenmacher werden. Das Geld, ihn auf einem auswärtigen Seminar zu erhalten, konnten weder er noch seine Eltern aufbringen. Ihm war übel ums Herz, und er verbrachte eine schlaflose Nacht.
Das Schlimmste war, daß das Herz nicht ganz frei war. Er selbst hatte zwar den Mann nicht verlacht; aber er hatte die andern unbedingt in Schutz genommen, und das war doch gewiß: zum mindesten Klöhn hatte eine starke Ungezogenheit
begangen. Wenn man wahr sein wollte, mußte man das eingestehen. Aber darum Buße tun in Sack und Asche, wie Uriel Acosta, vor diesem »hochmütigen, intriganten Priester«?! Asmus fuhr mit einem kurzen Lachen von seinem Bett empor und warf sich wuchtig wieder zurück auf das zerwühlte Lager. Aber übel war ihm zu Sinn; es ist schlimm, wenn eine Wunde nicht ganz rein ist.
Erst nahe vor Morgen verfiel er in einen leisen Halbschlaf. Der Direktor stand vor ihm und sagte: »Sie wollen Lehrer werden? Sie sind wohl verrückt!« Und dabei hatte er vollkommen das Gesicht von Adolfine Moses.
XXIV. Kapitel.
Die Bucklige lacht: aber die Schlanke macht es wieder gut. – Der Schiffbrüchige von Salas y Gomez als Mittler zwischen den Parteien.
Zwei Stunden später traten die vier im Gänsemarsch bei dem Direktor ein, Semper wieder voran.
»Wir haben dem Herrn Pastor erklärt, daß unser Lachen nicht ihm gegolten habe; aber er will diese Erklärung nicht annehmen,« berichtete Asmus und erwartete das Vernichtungsurteil.
Der Direktor ging einmal das Zimmer auf und ab und durchstach dann alle vier, jeden einzeln, mit einem Blick. Dann ging er noch einmal auf und ab und durchstach hierauf Asmussen mit einem besonders langen Blick. Und dann sagte er:
»Sie können jeh’n.«