seine Wange streifte. Von diesem Augenblick an war Asmus wieder glücklich.
Sie erschien nicht beim Abendbrot, weil sie müde war, und überhaupt blieb es auf lange Zeit hinaus bei dieser flüchtigen Begegnung.
Merkwürdig, dachte er im Nachhausegehen: ein ganz ähnliches Gefühl hab ich schon einmal gehabt – ganz so wie jetzt war die Welt schon einmal – nicht die gewöhnliche Welt, aber die andre, die immer über ihr schwebt wie Morgenduft über den Hügeln, die war schon einmal so, damals, als ich zwischen den Bahndämmen »am Rain« mit dem kleinen braunen Mädchen geplaudert hatte, mit der »Königin der Mainotten«. Und was noch merkwürdiger ist, die beiden haben in gewisser Hinsicht etwas Übereinstimmendes – nicht nur, daß sie beide braunes Haar und braune Augen haben, das will nichts sagen – auch der Teint und das ganze Aussehen – auch das Fräulein Chavonne hat etwas Fremdländisches – so – so etwas Französisches – übrigens ist ja auch ihr Name französisch. Aber ihr Wesen ist – gewiß: es ist deutsch – und doch wieder so ganz anders als das des fürchterlichen »deutschen Weibes« mit der Häkelnadel. Wenn man sie zu Pferde sähe, dachte er, mit wehendem Schleier, den Falken auf der Faust, auf dieser seinen, schmalen Faust – es würde keinen Augenblick überraschen.
»Wie sitzest du zu Pferde So königlich und schlank!«
sang er vor sich hin, daß ein vorübergehender Bürger stutzte und ihn anstarrte....
Seit diesem Abend fühlte sich Asmus auf eine wunderbare Weise frei und leicht, und er trug das Leben wieder mit aufgerichteten Schultern. Er hätte nicht sagen können, woher das kam; es kam aber einfach daher, daß ihn in dieser armen, bürgerlichen Lehrerin ein adliger Mensch berührt hatte, und das hatte um so wundersamer gewirkt, als es menschlicher Pöbel war, der sein Leben verfinstert hatte.
Seybold und Wiedemann waren ganz unzweifelhaft Pöbel; daß aber unter den anderen Feinden auch anderes Material war, das sollte er bald erfahren. Zunächst freilich schienen die Gegensätze noch unversöhnlich. Herr Quasebarth brachte eines Tages die Rede auf den die Klasse zerspaltenden Streit und sprach sein Bedauern aus.
»Ja,« rief eines der Antischäflein, »die andere Partei macht ja auch nicht den geringsten Versuch zu einer Annäherung.«
Da lachte Asmus laut auf, daß es durch die Klasse scholl.
Seit vielen Monaten geschah ihnen Unrecht auf Unrecht – und da sollten sie etwa noch um Frieden betteln? Lieber »Kampf bis zur Vernichtung«.