»Warum nicht?« forschte Asmus begierig.
»Weil man den Klauben haben muß, um so was machen zu können; die jetz’che Zeit hat awer keinen Klauben mehr.«
»O!« machte Semper.
»Ja ja, lieber Freund, Se können’s mir klauben. In einer Zeit, wo David Friedrich Strauß herrscht, da macht man solche Lieder nich.«
»Haben Sie Strauß gelesen?« rief Asmus.
»Nee, nee!« rief Bruhn ängstlich und flüchtete sich in die Musik, indem er auf dem »Klafier« zu präludieren begann.
»Ja, David Strauß ist mein Mann!« rief Asmus.
Bruhn sah ihn erschrocken von der Seite an und präludierte ängstlicher.
»Aber darum hab’ ich doch all diese herrlichen Lieder gern, auch die frommen, die wunderschönen Choräle, z. B. »Befiehl du deine Wege« und »Ein feste Burg« und »Wachet auf, ruft uns die Stimme« und »In allen meinen Taten« und »Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’«. Er hätte noch lange fortfahren können; aber Bruhn starrte ihn immer hilfloser an und spielte jetzt bereits forte. Aber dann brach er ab.
»Nee, lieber Semper, es ist so,« sprach er, »wenn der kalte, mathemat’sche Verstand dazukommt, denn is es mit’m Klauben und mit der Kunst vorbei.«