Ich suche, las er, eine Bezeichnung für unsre Auffassung, ein zugleich täglicheres und fanfarenhafteres Wort für das, was wir zu feierlich ungegenständlich nennen, ich habe es noch nicht. Nennen wir es vorläufig X, so lauten meine Sätze, die dem Ekel gewidmet sind, folgendermaßen:
Alles, was geeignet ist, das Ideal der Familie zu zerstören, ist X.
Protest mit allen Fäusten der Energie gegen tätliches Handeln ist X.
Abschaffung der Logik, Tanz der Ohnmächtigen ist X.
Ausschneiden des Gedächtnisses mit dem Messer der innren Chirurgie: X.
Verabschiedung der Propheten, der Zukunft und der geistigen Schubladen: X,
Freiheit, Taumel, der Widerspruch ist X; nur unkonsequent sein. An nichts glauben, auch nicht an X, ist X. Jeder schreie hinaus: es ist eine große Arbeit zu tun, ganz Negation: Wegfegen, Säubern, Ausmisten.
Moralisten sind Bauernfänger, Söhne Eisenbarts. Seht ihr den Jahrmarkt der menschlichen Gesellschaft, Pferch für Herdenvieh, von einem Kranz von Tribünen eingezäunt: darauf stehn sie im Kreis. Kopfbedeckung Magisterhut, rote phrygische Mütze, Schlapphut der Philosophen, demokratischer Zylinder, Berliner Sozenkappe, Pfaffenkrönchen, Frauenrechtlerins Strohhut mit der Nadel, und reden aus den zehn Ecken des ersten Mai auf das Vieh, ihm die Pillen des Glücks aufzuschwatzen, pinkpink bummbumm. Wer von Glück redet, ist ein Schwein, seien wir doch Schweine ohne Glück, nur Schweine, über die ich weine, es gibt im Koben kein Unten und Oben, kein Jenseits und Droben.
Er hatte unbewegt vorgetragen, den Blick aufs Manuskript gesenkt, als gehe ihn der Gegner, den er angriff, nichts an. Schreiner sprang auf, drängte mit geballten Fäusten auf Lisbao; Lilian lächelte ungläubig, das Unerwartete war eingetreten; d’Arigo gebot dem Portugiesen in seiner Heimatssprache zu schweigen; Madeleine Betz saß mißbilligend angewidert, der Schweizer schlug aufs Knie und begann zu jodeln, als Lisbao weiterreden wollte.
Ein Äderchen groß wie ein Regenwurm trat aus der Schläfe Lisbaos, er stieß den Stuhl zurück, schrie fast: