Ein Ton drang herauf, Lauda blieb betroffen stehn. Es war ein wiederkehrender Klagelaut, wie wenn Wind durch eine Aeolsharfe zieht, er hatte ihn einst vor Paris aus der bewohnten Ebne gehört und Stimme der Ebne, des geheim lebenden Geschöpfs genannt — nun schwebte er über der Stadt am See.

„Auch die Dinge aus Stein sind belebt,“ sagte er, „Städte sind Himmelskörper, wesenhaft. Paris ist eine Frau, bereit, jedem, der zu ihr kommt, Südamerikaner Schweden Tonkinesen, Erlebnis zu werden — ein wenig kokottenhaft mag es sein und doch so fröhlich, jung. Paris ist die einzige Stadt, die Gegenwart hat, die andren haben Zukunft oder Vergangenheit.“

„Neuyork oder Berlin hätten keine Gegenwart?“

„Materielle wohl der Arbeitsstätte; sie sind Stadium einer Jagd nach Geld und Macht; geistige Gegenwart, Wissen um den Sinn des Augenblicks haben sie nicht. Daß man in der Zeitlichkeit lebt, einmal nur, fühlt man auch anderswo, aber dann ist es immer ein losgelöstes Gefühl, für sich gedanklich existierend — in Paris ist es wie ein Duft in das unbedingte Ja gemischt, ein Hauch von Geist und Geistigkeit im Treiben der Materialität. Verstehn Sie, Miß Lilian, was ich sage?“

„Ein wenig, nicht sehr, freimütig gesagt nein, in Amerika philosophiert man nicht,“ antwortete sie. Er sagte spöttisch:

„Nein, das tut man dort nicht. Die einzige Form von Vergeistigung des Sinnlichen, die ich bei Amerikanern kenne, ist der Flirt, und er allerdings hält von dem nahliegenden Urteil ab, sie seien eine junge Rasse. Sie sind darin älter als die Deutschen, die von der Raffiniertheit des Flirts nichts wissen. Lieben Sie ihn?“

„Sehr.“

„Warum wohl?“ forschte er.

„Weil er hübsch und kurzweilig ist.“

„Weil er eine Einrichtung ist, die allen Vorteil der Frau gibt. Sie fordert heraus, sie bestimmt die Grenze, die erstaunlich weit gesteckt ist, und sie macht den erregten Mann reif zu dem, wonach sie verlangt, der Heirat, einer Heirat, die ihr erlaubt, auch jetzt noch die Prinzessin zu sein, verwöhnte in Luxus.“