Er lachte, antwortete:

„Fragen Sie andre, sie werden Ihnen sagen, daß ich der sei, der den Entschluß durch Reflexion hemme. Weil sie weder Denken noch Tun des andren naiv nehmen, sondern die Dilettantenkunst des Schlüsseziehens üben, zwingen die Leute, fast selber Schauspieler zu sein, Denken und Tun wie eine Maske zu tragen. Ihnen gegenüber, Fräulein Rutt, werde ich allerdings nie philosophieren, nur handeln; Sie fordern heraus, zum Tun, zum Spiel der Klingen oder zum straffsten Gegenübertreten. Warum, fragen Sie? Weil Sie ganz im Vordergrund Ihres Wesens leben, zu bestimmt, zu unmittelbar Energie in Handlung umsetzen.“

„Was tun Sie denn andres,“ fragte sie erstaunt; „wenn man Sie auf den Proben sieht, zugreifend, jäh in eine Trägheit oder auch Verdrossenheit fahrend, leben Sie doch auch im Vordergrund Ihres Wesens.“

„Und mache doch nur Vorstöße aus seinen Hintergründen — nichts ist so sehr Instinkt in mir, als die Brücke nicht abzubrechen. Als ich noch die Form meines Naturells suchte, zog ich mich oft zu früh auf die Brücke zurück, war feig, ließ im Stich — man darf die Brücke nur in der äußersten Not benutzen, wenn man aus dem Absoluten dem Tun neue Kräfte zuführen muß.“

„Wie dem auch sei,“ antwortete sie, „Sie sind für mich so, wie ich Sie kennen gelernt habe, und manchmal denke ich, daß Sie der seien, dem ich einen Vorschlag machen möchte, einen nie ausgesprochnen, weil der Partner fehlte.“

Aber sie lenkte ab, als er ihn hören wollte.

„Wie seltsam ist Ihr Name,“ sagte er, „was ist Rutt, eine Abkürzung?“

„Eine Umwandlung aus Ruth. Mit dem Namen Ruth sind zu bestimmte Vorstellungen verbunden, als daß ich ihn hätte tragen können.“

Lauda machte Barbara mit Else bekannt, nur andeutend, daß es galt, einer schon wankenden Melancholie den letzten Stoß zu geben. Er fürchtete, der Optimismus Barbaras möge Else zu derb erscheinen — unnütze Furcht, er wurde Zeuge des Gemeinschaftsgefühls von Frauen, das ein Wissen um Nöte des Erlebens war. Barbara stellte Derbheit zurück, bis sie wagen konnte, die Männlichkeit jenes Freunds als die eines Tenors zu erklären. Und sie drang mühlos zum Kern des Mädchens vor, führte sie in die Sphäre des Kinds und der zu betreuenden Mütter.

Auch mit Hans machte er Else bekannt, ohne Absicht, sah unerwartet den Freund von der kleinen Schwester Barbaras zu der noch weiblicheren Orientalin übergehn, aber hilflos werden vor ihren geistigen Interessen, dieser Bereitschaft für praktische Dinge. Ahnend, daß sie Kummer erlitten habe, erkundigte er sich bei Lauda, faßte die Begegnung mit dem Berliner Freund so natürlich auf, daß ihm der Gedanke andrer, man müsse sich darüber hinwegsetzen, gar nicht kam; aber beim Versuch, mit ihr davon zu sprechen, hatte er nichts zu bieten, als die Empfehlung des Wechsels, Selbstquälerei des Zwischenstadiums für unnaives Übermaß an Seele erklärend — sie fand ihn täppisch. Der Ansatz zur Werbung scheiterte kläglich, er war vom Stamme derer, die sich die Frau selbst nimmt. Siriwan wirkte auf Else zynisch, auf Rutt als männlicher Kavalier; sah er sie an, trat in seine Augen der Blick, mit dem Männer Kokotten auf die Verheißung äußerster Dinge schätzen.