Das Geschlecht schützte nicht, aber es gab Frauen neben ihr, die mit herausfordernder Sicherheit ihren Weg gingen, männerantreibende, die fanatisch über der Revolution wachten, und männererregende, die geil gediehn.
Eines Tags fand er Hannahs Wohnung geplündert, von Soldaten besetzt; Gang zu ihrem Beschützer, dem selbst gefährdeten, war vergeblich — sie hatte einer vom Tribunal gesuchten Oberstentochter zur Flucht verholfen. Es gelang Assenstand, die Zelle zu betreten; sie wußte, daß es ihre letzte Nacht war. Warum hatte sie ihr Leben aufs Spiel gesetzt?
„Einer,“ antwortete sie, „ist, der es versteht, ohne Erklärung, wir hatten ein Gespräch auf dem Brünig.“
Assenstand fühlte, daß Tage der Befreundung für nichts galten, sie öffnete sich nicht; in ihren Augen war ein Feuer, das er das Wunderbare nannte; sanfter Glanz der Ruhe, harter der Verachtung darin, abgeschloßnes Leben, zitterndes. Konnte eine Frau so sterben, edles Tier, das lautlos den Winkel sucht, edel wie der Mensch der Antike, der das Haupt verhüllend, sich in den Ablauf seines Lebens versenkte?
Welche Kraft, die durch keine Anerkennung, weder eigne noch andrer belohnt wurde, denn ob einer Großes oder Feiges in dieser Nacht dachte, es war im nächsten Frühlicht wesenlos. Und dann, daß sie beim Abschied aufstand, die Hände um seinen Kopf legte und ihn küßte — erschütternd, weil es eine Situation war, in der die Geste des äußersten Gefühls rein von Theater blieb: er hatte keine andre je erlebt. Sie löste das Angebot an Hannah aus, in seiner Kleidung zu fliehn, und das war pathetische Geste, denn sie war irgendwie Erinnrung an Gelesnes. Hannah schrieb in sein Notizbuch Worte für Lauda und Bestimmungen, dann ging er.
Lauda nahm das Heft in Empfang, schloß es ein, sagte:
„Um Frau Hannahs willen werden Sie vergessen, daß Sie nicht mein Gast sein wollten, als denkender Mensch sich sagen, daß Überzeugung so handeln lassen kann, wie ich gegen mein Land handelte.“
Sie blieben auf, sprachen von Europa. Es erwies sich, daß Assenstand den Glauben nicht teilte, daß der Friede mit Rußland Erleichtrung sein werde.
„Es ist zu spät,“ sagte Lauda, „Kraft, die an der Lüge dessen krankt, der behauptet, daß er sich nur verteidige und doch darauf brennt, seinen Willen aufzuzwingen, wird müde. Jener englische Minister, der von den Deutschen sagte, sie seien ein wildes Tier, das in seinem Käfig nur zu weiten Tatzenschlägen ausholt, wird Recht behalten.“
„Wenn es sich so verhält, wie ist es möglich, daß Sie so kalt zuschauen, wie das Tier sich verblutet? Von welcher Art sind Sie?“