„Claire,“ bat er.
Sie lehnte sich an den Fels, der den hilflos ausgestreckten Armen nur breite Wand war, sagte:
„Damals, als mich deine Selbständigkeit verzweifeln machte, dachte ich oft: O, wenn er krank würde, damit er mich braucht; wie würde ich gut sein, ihn gewinnen.“
„Und danach, wenn ich wieder gesund wäre?“
„Wären wir uns nah gewesen, und es würde über lange Zeit hinweggeholfen haben; nichts andres hätte ich verlangt als einst, rückblickend, so mein Leben mit dir Kette von Höhepunkten zu nennen — ich hätte nur sie gesehn, die langen, öden, einsamen Wegstücke dazwischen vergessen. Hattest du nicht selbst solchen Wechsel aus Begegnung und Trennung die Lösung genannt? Wie bereit wäre ich gewesen.“
„Und konntest doch die erste Trennung nicht überstehn, lehntest dich auf, und Auflehnung gab dich einem andren hin.“
„Weil du mich nicht vor dem Zweifel bewahrtest; Zweifel, ob dir überhaupt daran lag, daß ich auf dich wartete, verwundete den Stolz, Stolz wurde Trotz, Trotz Entschluß, nicht das demütige Mädchen zu sein. Vor dem Zweifel bewahren, das wäre allerdings Voraussetzung jener Verabredung; du warst es, der sie nicht erfüllte. Und es kam hinzu der Gedanke, tückischer, schlechter, einflüsternder Freund, daß du mich absichtlich auf Berger verwiesen habest, und Bergers Güte kam hinzu, den man lieben lernte, wenn man mit ihm umging.“
„Es war mir nicht ernst, als ich sagte, du habest schon die erste Trennung nicht überstanden. Dich auf die Probe zu stellen lag fern; wer das tut, muß auch dem andren den Weg zur Rückkehr freihalten. Ich tat es nicht, vergaß dich. Ich zog aus auf die innre Jagd, das Jägerglück allein zu sein, war stärker.“
„Ich lasse dich noch nicht,“ sagte sie, „weil ich dich kenne. Alle Gefühle erschöpfen sich dir, wenn die natürliche Zeit vorüber ist. Wenn der Jäger zu den Menschen zurückkehrt, geht er dorthin, wo die Heimat seines Herzens ist. Sag mir das letzte, ob du so nie mehr an mich gedacht hast.“
„Nun ist äußerste Offenheit nötig. Ich dachte so an dich, aber nicht ausschließlich an dich, in dem Sinn, daß nicht auch andre Frauen an deine Stelle treten könnten. Es ist Menschen wie mir, die die letzte Gleichbeschaffenheit und darum Gleichberechtigung der Geschöpfe finden, unmöglich, durch eine Frau alle andren Variationen zu binden, nur in dieser Frau die Erfüllung dessen zu sehn, was zur Frau führt.