Gesche schluchzte hinter ihrer Schürze. Die grüne Tür schloß sich. Die Gardine am Türfenster flatterte noch einen Augenblick hin und her.
Evelyn zog ihr Taschentuch heraus. Dann legte sie ihren bloßen Arm auf den Tisch, beugte den Kopf darüber und weinte. Julie sah nachdenklich zum Fenster hinaus; hinter der Sauberkeit der steifen Gardinen schwieg die Abendluft. Marianne blickte an ihrer schwarzen Fülle hinunter. Eine Stille kam langsam ins Zimmer und streckte sich schwer über die Schwestern aus.
Da draußen vor der Tür lag die Mutter, das fühlten sie plötzlich wieder. Der Tod stand drüben auf der dunkeln Diele; sie fühlten seine Nähe. Nach einer Weile stand Agnes Elisabeth leise auf, ging zu Evelyn, hob sie sanft auf und zog sie auf ihren Schoß. Evelyns Kopf fiel müde an ihre Schulter. Agnes Elisabeths Hand glitt über die blasse Wange der kleinen Schwester.
»Siehst du, Muttchen geht es nun gut. Nun hat sie keine Schmerzen mehr, nur Ruhe, die sie immer so gern mochte.«
Der blonde Kopf schmiegte sich mit leisem Rascheln an das blaßgrüne Kattunkleid.
Agnes Elisabeth wußte plötzlich, daß sie nun Evelyns Mutter war, daß sie die Kleine liebhaben würde wie ihr Kind und auf sie achten und sie beschützen würde.
»Wir haben Muttchen doch so lieb,« fuhr sie leise fort. »Darum freuen wir uns, daß es ihr gut geht. Wir brauchen nicht zu weinen.«
Evelyn zog die Knie herauf und kauerte nun wie ein Kind auf der Schwester Schoß. Agnes Elisabeth strich über die schmalen Beine und die kleinen Füße. Die waren ganz kalt. Mit einer weichen, mütterlichen Bewegung faßte sie hinüber nach dem Sessel, nahm den Schal und wickelte die Füße hinein.
Die Kleine lag ganz still. Vielleicht wußte sie, daß sie doch noch eine Mutter hatte?!
Julie stand auf und nahm ein Paket vom Schreibtisch.