Mr. Clavé war der jüngere Bruder von Sophie Craners Pensionsfreundin; er besaß ein hübsches Vermögen und hatte gestern um Evelyns Hand angehalten. Dem Antrage waren viele Besuche in der Villa »Celeste« vorangegangen. Abende mit Chopin und ein wenig Kaminmelancholie, Nachmittage, ganze Nachmittage, mit Tennis, Racket-Flirt und der guten Beleuchtung schräger Sonnenstrahlen, endlich sogar Morgenstunden, auf den Steinen am Wasser, wo es gluckste oder schäumte, wenn Tante Sophie noch ruhen mußte und Evelyn mit einem Buche dort unten saß und auf ihn wartete. Denn sie wartete auf ihn.

Die Liebesgeschichte verlief bei ihm nicht anders, als sie in solchen Fällen vor sich zu gehen pflegt. Und Evelyn machte es sehr viel Freude, dies mit anzusehen. Nicht, daß sie ihn ermutigt oder gar mit ihm gespielt hätte. Es tat ihr wohl, sich geliebt zu wissen, und sie zeigte ihm dies mit Behagen. In diesem Behagen ging sie richtig spazieren; sie dehnte sich, bewegte Hände und Füße und freute sich der weichen Luft, die um sie herum war. Alle die Zeichen, die er ihr von seiner Liebe gab, nahm sie mit Lächeln hin, wie Blumen, die er ihr brachte, dankte ihm auch und sagte mehr als einmal, daß dies sonnige Tage seien, die sie glücklich machten.

Aber nun hatte er den Fehler begangen, sie heiraten zu wollen. Darauf fand Evelyn nur die Antwort: »Wie schade!«

Daß er ihre Blumen unter der Ehe schützendem Glasdache vertrocknen lassen wollte, ernüchterte sie und machte ihr den ganzen Menschen mit einem Male alltäglich.

Tante Sophie erfuhr davon und hielt es für nötig, einige ernste Worte mit Evelyn zu reden. Aber eigentlich verstand Tante Sophie sie ganz gut, das wußte Evelyn auch, und schließlich lachten sie beide.

»Auf diese Weise bekommst du aber nie einen Mann,« sagte Tante Sophie.

»Ich will auch keinen,« behauptete Evelyn.

»Und wenn du einmal einen lieb hast?«

»Dann möchte ich ihn gerade deshalb nicht heiraten!«

Sophie Craner lachte.