Marianne setzte sich mit einer Stickerei — Frau Hellwege hatte sie noch begonnen — in den Schaukelstuhl und machte ein paar träge Stiche.
»Ob es eigentlich indiskret ist, diese Briefe zu lesen?« fragte Julie. »Vielleicht sollte man sie besser verbrennen! Sie sind doch nicht für uns bestimmt.«
»So war Mama doch nicht,« sagte Agnes Elisabeth. »Sie hat mir manchmal daraus vorgelesen.«
»Außerdem ist es sehr interessant,« warf Marianne ein.
»Das wäre kein Grund!«
»Vielleicht können wir auch etwas daraus lernen!«
»Willst du mir die Briefe mal geben,« bat Agnes Elisabeth; »ich weiß einen, der ist so schön!«
Julie reichte ihr ein paar hinüber. Agnes Elisabeth suchte eine Weile und zog dann einen dünnen, blauen Bogen heraus und entfaltete ihn.
»17. Oktober, ›du sagtest neulich, daß Schönheit ein Schmuck unseres Lebens sein sollte‹, ja, dieser ist es.« Sie gab ihn Julie. »Willst du ihn vorlesen?«
Julie rückte näher an den Tisch heran und beugte sich über den Brief. Ihre krausen Haare hingen zitternd herab und berührten den Bogen. Sie begann: