Julie bog in die Rankestraße ein. Ob Agnes Elisabeth ihn wirklich einmal liebgehabt hat? dachte sie.
Nun kam sie zu Stockmanns. Martha begrüßte sie im Korridor.
»Wie lange waren Sie nicht bei uns, Julie!« sagte sie mit einem ängstlichen Blick. »Vater ist in seinem Studierzimmer. Er wartet schon den ganzen Tag auf Sie! Hoffentlich kam Ihnen sein Brief nicht ungelegen!«
Julie war überrascht. Hatte Martha sich vielleicht verlobt? Sie war so weich, nahm ihr Hut und Jacke so zärtlich ab, sah sie ein paarmal verstohlen an ...
Martha öffnete ihr die Tür zu des Professors Zimmer und ließ sie allein eintreten. Hier war eine trockene Luft, die nach Plüsch und kalter Zigarrenasche roch.
Der Professor saß am Schreibtisch. Eigentlich ist sein Kopf beinahe schön, dachte Julie und freute sich der scharfen Profillinie, die im Fensterrahmen stand. Sie nahm sich vor, sehr freundlich zu ihm zu sein.
Er stand auf und drückte ihr die Hand.
»Wie schön, daß Sie doch noch kommen! Machen Sie sich’s gemütlich!« Er schob ihr einen Sessel zu.
Julie setzte sich. Sie hatte eine peinliche Erinnerung an ihren Konfirmationstag; ob diese aus der feierlichen Erwartung kam oder von dem Rosa der Alpenveilchen hinter den gelblichen Stores, wußte sie nicht.
Der Professor räusperte sich.