»Nein, so dürfen Sie nicht gehen! Johannes muß selbst ...«

»Bitte, Herr Professor! Er kann nichts daran ändern. Ich danke Ihnen, daß Sie es gut mit mir gemeint haben!«

Damit war sie aus der Tür.

Sie hörte noch, daß der Professor ihr folgte, aber er ging ins Zimmer nebenan.

Julie fuhr in ihre Jacke, setzte den Hut auf, fand irgendwo ihre Handschuhe und riß den Schirm aus dem Ständer. Schon kam des Professors Stimme der Tür wieder ganz nahe, auch Johannes schien zu sprechen. Sie riß die Tür auf und flog die Treppe hinunter. Hinter ihr wurden Schritte hörbar, Johannes, der etwas Heftiges sagte ... Nun war sie draußen.

Sie ging schnell. Die Menschen bogen ihr aus, so schnell ging sie. Plötzlich fing sie mitten auf der Straße zu weinen an.

Wie konnte man so allein sein! So ganz verlassen! Es kam ihr vor, als ob alles, was sie sich an Anschauungen erkämpft hatte, sie im Stich ließe, als ob ihre innere Unabhängigkeit ein Traum sei, der der Wirklichkeit nicht standgehalten hätte. Sie suchte nach Gedanken, an die sie sich hätte klammern können; aber woran sie auch dachte, alles war gleichgültig, alles erfüllte sie mit Widerwillen. Was sie umgab, erschien ihr häßlich; die Straße war schmutzig, die Schaufenster aufdringlich erleuchtet, die Menschen rücksichtslos, der Himmel ein grauer Dunst. Ein kahles Gefühl von Heimatlosigkeit, ein Frost, der gleichsam von innen kam, das war alles, was sie empfand.

Einer wäre dagewesen, der hätte ihr helfen können. Manche lassen sich auch helfen und werfen ihren Kummer weg. Das aber konnte Julie nicht. Es war ihr unmöglich, Peter Owen auch nur mit einem Wunsche zu streifen.

So kam sie nach Hause. Auf dem Korridor tobte Weihnachtsferientrubel. Thea Allenbach, kokett angezogen, lief mit einer Reisetasche und zwei Pappschachteln hin und her, die Liecke band sich vor dem Spiegel ihren Schleier um, und nun erschien auch Fräulein Meusel. Sie war in gehobener Stimmung, denn sie freute sich auf ein paar ruhige Tage. Den Tee könnten sie doch noch zusammen trinken, bis zu ihrem Zuge hätten sie noch Zeit genug!

»Gott, meine Theosophie habe ich vergessen,« schrie Thea.