»Wo sind nur wieder meine Gummischuhe!« beklagte sich die Liecke.

»Sie kommen doch auch, Fräulein Hellwege?« fragte Fräulein Meusel. »Wir haben unsern kleinen Baum schon angesteckt.«

Aber Julie wollte nicht. Nein, das konnte sie nicht.

»Verzeihen Sie, Fräulein Meusel, ich habe solches Kopfweh!«

»Ja, ja, mit der Liebe!« kam es aus der Ecke, wo die Gummischuhe gesucht wurden.

»Na adieu, fröhliches Fest!« rief Thea.

»Danke schön! Viel Vergnügen zu Hause,« entgegnete Julie und ging in ihr Zimmer.

»Grüßen Sie Ihren blonden Freund von mir,« kam es hinter ihr her.

Im Zimmer war es dunkel. Nur an der Decke blinzelten die Lichter der Straße. Ihre Hand streifte einen Stuhl, sie stieß ihn heftig zurück. Was war denn geschehen? Sie wollte doch gewiß nichts Absonderliches vom Leben, nichts Außergewöhnliches. Sie wußte doch, daß Heiraten so vor sich ging, daß der Antrag kam und alles Weitere sich mit geschäftsmäßiger Feierlichkeit abspielte. Unter anderen Bedingungen, meinte sie, hätte ihr dies alles auch nicht weh getan.

Aber, daß es so gekommen war! Daß dieser alte Mann, den sie geachtet hatte, sie mit seinem Sohne zusammenbringen wollte, ganz gleich, ob sie ihn liebte oder nicht, daß er sich ihr Alleinstehen in der Welt zunutze machte, sich ihrer Schwachheit und Zaghaftigkeit bedienen wollte, um sie zu dieser Ehe zu überreden, das traf sie. Nicht nur ihren Stolz. Oh, demütigend war es wohl, aber es kam ihr auch unsittlich vor. Ihr Schamgefühl litt.