Julie saß ganz still. Sie betrachtete eine Kerze, die schief gebrannt war und ihr Wachs langsam träufeln ließ.
»Wir sind dann richtig verlobt, vor aller Welt verlobt, und den Ansprüchen der Gesellschaft ist Genüge getan. Es ist natürlich eine Äußerlichkeit, eine törichte Form, aber man muß sie eben mitmachen. Es hat keinen Zweck, sich auszuschließen!«
Julie schwieg noch immer. Nun war die Wachssträhne auf dem Messing gelandet.
»Wir können dann bald heiraten, wir sehen uns zusammen die Welt an, später leben wir hier oder auf dem Lande.«
Von Julie kam kein Laut. Sie saß tief im Schatten. Er konnte nur sehen, daß ihre Handflächen vor dem Gesicht lagen. Er merkte, daß sie weinte. Es war kein Schluchzen, auch keine Tränen. Wie ein blasser Duft kam es zu ihm herüber. In diesem Dufte sonnte sich sein Lächeln.
»Wir werden dann alles miteinander teilen. Natürlich ohne übertriebene Rücksichten; jeder kann seine eigenen Wege gehen. Du arbeitest, ich male. Du bist mein Kamerad, mit dem ich über alles sprechen kann. Du kennst auch meine Freunde noch gar nicht,« dabei hatte er ihr vor acht Tagen gesagt, daß er nur einen alten Schulfreund oben in Holstein habe. »Von denen wirst du mancherlei Anregung haben. Wir werden ein Haus machen, viele Menschen sehen, vergnügt und glücklich nebeneinander durchs Leben gehen.«
Julies Hände sanken von ihrem Gesicht; ihre Augen sahen unbewegt in das Kerzenlicht.
»Das sind katholische Kirchenkerzen,« sagte Peter. Dann lachte er.
Julie stand auf und ging zu den Lichtern hin.
»Julie!«