»Wenn du dich fürchtest, soll ich dann nicht lieber bei dir schlafen?!«
Agnes Elisabeth tat, als höre sie nichts, und begann den Weg unter dem Fenster zu harken.
Julie ging ins Zimmer zurück. Die Angst um die Schwester war wieder da. Eine Angst, die an hundert Dingen hing und sich doch eigentlich auf nichts gründete, ein Zittern vor etwas Grausigem, das irgendwo wartete, sich nicht greifen ließe und doch da wäre und drohte.
Sie mußte sich beschäftigen. Sie schloß ihren Schreibtisch auf, stellte alle Sachen wieder an ihren alten Platz, ging an den Koffer, packte die letzten Stücke aus. Dabei wartete sie immer darauf, daß Agnes Elisabeth käme, ihr gute Nacht zu sagen. Sie wollte mit ihr über all dies Seltsame sprechen, wollte sie fragen, ob sie ihr nicht helfen könne. Wie ein kleines Mädchen kam sie sich vor, als sie daran dachte, daß sie helfen solle. Sie wußte nicht, wo sie mit helfen beginnen sollte.
Agnes Elisabeth kam nicht. Vielleicht besprach sie mit Gesche noch das Essen für morgen oder sah nach dem neu eingekochten Saft. Schließlich dauerte es Julie zu lange, und sie ging hinaus. Auf der Diele brannte ein Nachtlicht. Die Dunkelheit erschien dunkler dadurch. In der Küche war niemand zu sehen; nur die Glut verglimmender Torfstücke kroch noch über den Herd.
Julie ging nach Agnes Elisabeths Zimmer hinüber, faßte die Klinke und wollte eintreten.
Die Tür war verschlossen. Drinnen sprang jemand auf.
»Wer ist da?«
»Ich bin es ... Julie! Ich wollte dir gute Nacht sagen!«
»Ich bin schon zu Bett,« sagte es drinnen nach einer Weile. »Ich bin müde.«