Julie setzte sich unten am Wasser auf eine Bank. Wieder kamen Tränen in ihre Augen, als sie die Schwester dort zwischen den Sträuchern hocken sah.
Das also war aus ihr geworden! — Sie sammelte Körbe und ordnete sie nach der Größe, sie flocht bunte Seide und zupfte Unkraut. Sie hantierte zwischen Nichtigkeiten, freute sich an müßigem Klatsch und verkroch sich vor Marianne. War sie nicht einmal eine Mutter für sie alle gewesen?! Sie hatte ihre Liebe weggegeben und besaß nicht mehr als einen Rest, der ihre Hand nur eben noch zu einem spröden Streicheln hob.
Sie hoffte nichts mehr vom Leben und konnte sich doch nicht von ihm abwenden. An irgend etwas mußte sie sich noch immer halten, selbst wenn es nur die Angst war, die sie hierhin und dorthin trieb, die im Sonnenlicht nach ihr schielte und des Nachts hinter ihrem Bette stand.
Mit gierigen Händen griff sie nach dieser Angst und meinte, das Leben zu fassen.
Sie wußte noch nicht, daß das Leben sie vergessen hatte!
Agnes Elisabeth kniete auf dem Wege und wühlte mit beiden Händen zwischen den Johannisbeersträuchern.
Ob sie dieses Mal wohl dabei sein durfte?! Bei Marianne hatte man sie nicht hineingelassen. Aber hier im eignen Hause! Sie wollte das doch gern einmal sehen, wie so das Leben anfängt! Diese dumme Wolfsmilch! Fünf Blätter, drei Krauseminzen, vier schwarze Johannisbeerblätter, bei zunehmendem Mond, er wurde jetzt voller; dann könnte sie endlich wieder schlafen! Auf den Boden mußte sie gehen, wegen der Wiege und der Kindersachen und der Wachspuppe ...! Und der Doktor ...! Wann würde das Kind kommen? Kam es nicht oft vor, daß die Mutter dabei starb? Dann wollte sie das Kind haben! Dann wollte sie aber lachen! Daß sie ein Kind hatte!
Als sie endlich aufstand, war alles Unkraut wieder eingepflanzt.