Niels fing dann zu schreien an, Julie lachte, und Agnes Elisabeth mußte kommen, wie es früher gewesen war, und mahnen:

»Kinder, seid doch vernünftig!«

Übrigens fand sich auch Marianne wieder ins Haus. Evelyn war bei ihr gewesen und hatte sie wegen ihrer kleinbürgerlichen Wichtigtuerei ausgelacht; eine ellenlange lustige Rede hatte sie gehalten, mitten in Mariannes Salon, wo Ponceaurot, Erdbeerfarbe und schmutziges Grün von allen Seiten in ihre Worte hineinschrieen. Das hatte freilich nicht genügt, Mariannes Sinn zu wenden, gestern aber war Pastor Gerlach bei ihr gewesen und hatte sie gebeten, sie möchte ihren Einfluß bei der Schwester geltend machen, damit das Kind endlich getauft werde. Eine Anmeldung sei bislang noch nicht bei ihm eingelaufen.

So hatte Marianne sich ausgemacht und war bei den Schwestern erschienen. Evelyn mochte schlimme Dinge im Kopf haben; als Marianne hereinkam, zog sie ein Gesicht, daß diese ihre Würde fallen ließ, schnell auf Julie zuging, ihr einen Kuß gab und den Jungen bewunderte.

Damit war die Angelegenheit erledigt, und Marianne fühlte sich sichtlich erleichtert.

Nun waren sie alle Tage zusammen und ließen alles sein, wie es früher gewesen war. Sie fanden, daß sie alle in das Leben hineingesehen hätten, sich ihr Teil geholt hätten und wieder zurückgekommen wären, ein jedes mit dem, was ihm zukäme. Sie fanden, daß das Zimmer dasselbe geblieben war, daß es hier wieder helldunkle Abende und sonnenblasse Morgenstunden geben würde. Sie fanden aber auch, daß sie einander im Innersten kaum noch kannten, daß nur die Strenge des Alltags, die Gewohnheit sie zusammenhielt und ihre Hände ineinanderlegte, als seien die Jahre nicht gewesen.

XXXV

Es war Winter, die Wiesen hatten unter Wasser gestanden, und das Wasser war seit einer Woche Eis.

Die Schlittschuhe mußten vom Boden herunter und hatten nur noch nachts ihre Ruhe.

Julie blieb bei dem Kinde, aber die anderen liefen hinaus. Weit in das Land, wo es blitzte wie von Stahl.