»Nein! Ich würde nicht wagen, sie nach irgendeiner Seite hin zu drängen. Sie sollten Freiheit haben in allen Dingen!«

»Man müßte überhaupt tun dürfen, was man will!« sagte Evelyn auf einmal energisch. »Ich möchte den ganzen Tag auf dem Rasen sitzen, die Pfauen um mich herum; alle ihre Farben würden auf meinem Kleide spielen. Und in meinem Schoße sollten lauter Blumen liegen. Und Menschen dürften nur kommen, wenn ich winkte!«

Sie machte eine kleine souveräne Bewegung.

Die Begonie an Julies Brust löste sich und fiel mit einem leisen Geräusch zu Boden. Julie bückte sich nach ihr.

»Ich habe mir mein Leben so eingerichtet, wie ich es brauche. Ich kümmere mich um keinen Menschen und tue nur, was mir Freude macht.« Sie strich mit der Hand über das ausgeschlagene Buch, nahm die Blume und steckte sie wieder fest. Ihr Kopf neigte sich; in die Linie der Schultern kam eine kleine Krümmung, der viereckige Ausschnitt des Kleides verschob sich und ließ einen braungoldenen Schatten blinken.

Von Evelyn kam wieder das eintönige Geräusch des Gesangbuchliedes.

»Doch bat er in seinem Worte
endlich sich dazu erklärt ...«

In der Tür erschien ein Laken, und darin Agnes Elisabeth, mit einem blauleinenen Badeanzug bekleidet.

»Bist du noch nicht fertig, Evelyn? Vertrödelst deinen ganzen schönen Nachmittag!«

Evelyns feuchtrote Lippen zogen sich zusammen.