Marianne sog den warmen Duft ihres Körpers ein. Das zitternde Grün der Bäume griff sehnsüchtig nach ihrer Schönheit. Dann hob sie die Arme und verschränkte sie hinter dem Kopfe.
Vom Wasser her kam Agnes Elisabeths Stimme und schreckte das anbetende Lauschen auf. »Wollt ihr heute nicht mehr baden?«
»Nein, ich muß warten, bis Marianne aufhört, sich zu bewundern!« rief Evelyn, die im Grase hockte. »Sie sieht himmlisch aus!« Sie drehte sich auf ihren kleinen Schenkeln herum und sah zu Marianne auf. »So bist du mir doch am angenehmsten, wenn du so stumm nackend dastehst. Eigentlich ist es Sünde, daß gerade du so schön bist!«
Evelyn stand auf. Feine Grasabdrücke waren über das rosige Fleisch verstreut. Wie ein Mantel hing das Haar um ihre kindlichen Formen. Sie glitt den Rand hinunter und sank mit einem kleinen Juchz ins Wasser.
Marianne ging vorsichtig in das laue Gold und ließ sich auf dem Rücken treiben.
Evelyn kam plötzlich in die Höhe. »Oh, ich habe vergessen, mein Haar aufzubinden!« Sie kletterte prustend auf die Böschung. Die Wassertropfen glitterten an ihr herunter.
Agnes Elisabeth stand schon neben ihr und faßte das Haar. Das blaue Leinen spannte sich straff um ihren Körper. Herb stand das Weiß zu dem scharfen Blau. In den Augen schimmerte ein Glanz. Nur die Glut des Haares gab den Gedanken an schweres Blut.
Nun kam auch Julie aus der Laube. Aus ihren Linien sprach Strenge. Der Bronzeton ihrer Haut ließ sie schmal und flach aussehen, wie einen Jüngling. Nur der weiche Gürtel unter der kleinen, festen Brust, der niemals eingeschnürt worden war, erschien frauenhaft.
Ihre Hand glitt langsam über den Hals. Sie blickte auf Agnes Elisabeth. »Warum hast du einen Badeanzug an? Es sieht uns doch niemand hier!« sagte sie erstaunt.
Agnes Elisabeth steckte das Haar der Kleinen fest. »Ich mag es lieber!« sagte sie und ging wieder ins Wasser.