»Sie stören mich durchaus nicht, Herr Pastor,« sagte sie mit friedlichem Spott.

»Ich war in den letzten Tagen leider so beschäftigt, und da ich heute etwas mehr Zeit habe, wollte ich mein Vorhaben endlich ausführen und sehen, wie es Ihnen geht.«

Sie saßen sich gegenüber in den tiefen Mahagonimöbeln. Julies Hände lagen ausgestreckt auf dem Holz. Von ihrem Körper strahlte ein feuchter Duft. Der Vanillegeruch der Heliotropen an ihrem Kleide tiefte die laue Badatmosphäre. Der Pastor sah, wie die letzten Tropfen an ihrem Hals herunterrieselten ...

Sie sprachen von den Dingen des Alltags.

Der Abend kam mit nassen Lichtern.

Julies Stimme hatte aufgehört zu sprechen. Der Pastor blickte auf. Die Möbel standen plötzlich aufdringlich um ihn herum. Die Bedrängnis, die von diesem frischen Leibe ausging, faßte ihn mit unsichtbaren Armen und ließ ihn seinen Blick nicht von ihr wenden. Der starke Nacken drehte sich im Kragen.

Er fand keine Worte mehr. Endlich nach einer schweren Pause flog ein Gedanke vorüber. Er nahm hastig aus seiner Brieftasche einen Zettel, auf dem eine Auswahl von Sprüchen für Frau Hellweges Leichenstein verzeichnet war.

»Vielleicht haben Sie selbst schon ein Wort für das Grab Ihrer Mutter ausgewählt? Es ist doch eine so schöne Sitte!«

Julie wandte den Kopf ein wenig.

»Nein! Es soll nur Name, Geburts- und Todestag geschrieben werden! Ich wüßte nicht, aus welchem Grunde da noch mehr stehen sollte.«