»Aber, liebes Fräulein, das sagen Sie doch nicht im Ernst. Ein solches Wort soll denen, die trauernd an dem Grabe stehen, zur Erbauung dienen, es soll ...«

»Ich bedarf keiner Erbauung!« sagte Julie ruhig.

»Die brauchen wir alle! Aber nicht dies allein: die Worte, die auf dem Grabstein leuchten, sollen zu Ihnen reden, als spräche Ihre selige Mutter vom Himmel herab zu Ihnen, als wollte sie ihre Kinder trösten und sie hinweisen auf das Wiedersehen.«

»Das ist ja alles sehr schön und gut,« meinte Julie. »Aber was soll man damit, wenn man an ein Wiedersehen nicht glaubt?«

Der Pastor blickte verdutzt auf. »Das hatte ich nicht gewußt!« stotterte er. »Ja, aber dann sind Sie ja, — nein, Sie werden wieder davon abkommen, ich weiß es, ich glaube es!« sagte er mit Bekennermut.

Julie lächelte.

Der Pastor bekam es plötzlich mit der Angst um Evelyn.

»Um eins möchte ich Sie bitten,« sammelte er sich. »Daß ich auf Ihren Glauben noch keinen Einfluß habe, weiß ich.«

»Ja!« bestätigte Julie.

»Wenn schon ... Aber lassen Sie durch Ihre Anschauungen nicht die reine Kinderseele Ihrer Schwester getrübt werden! Bedenken Sie, daß das Kind zu Ostern seinen Glauben vor dem Altar bekennen soll!«