»Ach, das ist keine Arbeit!« sagte er und machte eine froh-nachlässige Bewegung. »Das Heft vom Fräulein! Literatur!« betonte er wichtig. »Ich muß dir mal ihren letzten Aufsatz vorlesen! Etwas träumerisch, aber ganz geistvoll.«
Die Mutter machte ein bedenkliches Gesicht.
»Höre mal zu!« Der Lehrer nahm das Heft und lehnte sich im Stuhl zurück.
»Der Ernst und das Lachen.
Alle Menschen wollen lieber lachen, als ein ernstes Gesicht machen. Sie arbeiten sechs Tage ernst im Schweiße ihres Angesichts, und am siebenten ruhen sie und sind vergnügt und lachen.
Warum können die Menschen nicht immer lachen, Sonntags und Alltags? Sie können es nicht, weil man sie gelehrt hat, bei der einen Gelegenheit zu lachen und bei der anderen traurig zu sein. Die Menschen wissen nicht, daß Ernst und Lachen zusammengehören.
Wenn ich bei der Arbeit bin, Verse lernen oder sticken muß, so könnte ich wohl traurig sein. Aber ich fühle den Sonnenschein im Gesicht; und wenn sie draußen einen Sarg vorübertragen, so sehe ich die Blumen. Und dann lache ich. In allem Ernst wird doch noch ein Plätzchen für ein kleines Lachen sein.
Nun sitze ich mitten auf der Wiese, und Blumen liegen in meinen Händen, die Sonne küßt mich, und alle Vögel jubeln. Wenn ich dann lache, so ist es mir sehr ernst mit diesem Lachen. Ist es nicht ein heiliger Ernst, wenn einer glücklich ist und lacht?!
Für den, der in sich selbst zufrieden ist, sind Ernst und Lachen dasselbe!«
Lukas Allm legte das Heft auf den Tisch. »Das ist doch reizend!« Er machte eine bedeutende Handbewegung. »Wie gut ist diese Antithese durchgeführt!«