»Und nun wollen Sie ein ganzes Jahr in Berlin bleiben?« fragte Julie.

»Ja, bis zum nächsten August. Ich freue mich auf diese Zeit. Man kann in einer großen Stadt viel intensiver arbeiten. Es gibt da so viele Hilfsmittel, die einem die Arbeit erleichtern. Die hat man draußen nun einmal nicht. Auch Sie sollten das bedenken, Fräulein Julie. Bibliothek, Kunstsalons, Vorträge sind immerhin eine schätzenswerte Beigabe, auch wenn man nur dem eigenen Geschmack leben will.«

Er lächelte.

»Nein, wir wollen alle zusammen in unserem Hause bleiben! Das haben wir uns versprochen, nicht wahr, Agnes Elisabeth?«

»Also doch Altruismus!« meinte Craner.

Julie warf den Kopf zurück.

Die Erdbeeren waren gegessen, Agnes Elisabeth hob die Tafel auf. Marianne und Evelyn gingen wieder ihre eigenen Wege, Julie holte sich ein Buch.

Craner stand plötzlich mit Agnes Elisabeth allein in der Laube, in der eine grüngoldene Dämmerung zitterte. Sie hatte ihre kurzen weißen Hände auf den Tisch gestützt; in ihrem Haar flimmerte halbes Licht.

Craner fühlte mit einem Male die Einsamkeit, an der dieses Geschöpf ihre Kraft und ihre Liebe verzehrte. Der Hauch von Mütterlichkeit, der wie ein Goldton über ihrem Wesen lag, berührte ihn schmerzlich. Mit beiden Händen gab sie den Schwestern, was sie an Liebe besaß; aber keine dankte es ihr.

Er nahm die Papiere heraus, die ihm sein Bruder mitgegeben hatte.