Mit langsamen Schritten ging sie dem träumenden Hause zu.

Im Milchkeller war eine klingende Kühle, graugrünes Licht und ein Streifen Sonne mit zitternden Stäubchen. Der Bastkorb blieb auf dem Holzregal stehen. Das rosa Kleid stand nun oben in der Haustür, ganz überworfen von Schattenflecken, die von den Lindenblättern kamen. Ein großer Strohhut hing nachlässig in der gerundeten Hand und baumelte ab und zu ein bißchen hin und her. Nach einer Weile beugte sich der Kopf nach vorn und wandte sich dann schnell um. Der Entschluß war da.

»Gesche! Ich will noch ausgehen!« rief Marianne in die Diele zurück, und irgendwo aus der Dämmerung kam eine Antwort. Dann wurde der Hut in die Höhe gehoben und ließ sich auf dem Haar nieder. Das rosa Kleid wanderte an den Malvenstöcken vorbei, durch das weiße Gitter.

Marianne ging geradeaus, mitten in die Heide hinein. Eine breite Hitze brannte auf dem Wege. Die Bäume standen steif; die Schatten, die sich um die Stämme herum zeichneten, waren wie grüngemalte Untersätze; wie aus einer Spielzeugschachtel aufgebaut sahen die langen, in der Ferne sich verlierenden Reihen aus. Weißer Staub krisselte in der Luft.

»Fast etwas zu heiß,« dachte Marianne. »Aber rund und weich. Das gibt es nur im Sommer. Herbst ist eckig und dürr, Winter verhungert und verhärmt, Frühling blaß und aufgeregt.«

Sie schlenkerte die Arme hin und her. Die Glieder waren wie losgelöst, die Bewegungen glatt, wie schmelzendes Wachs. Das Kleid schleifte über die Erde und wirbelte ein Wölkchen hinter ihr auf. Hellgebacken standen die Kornfelder da. Der Buchweizen roch nach Apfelgrütze. In rosigem Glanze schimmerte dahinter die Heide.

»Wie Himbeerglasur,« dachte Marianne. Sie bog in den schmalen weißsandigen Weg ein. Es war nur eine breite Furche, in der große Büschel Erika standen, zwischen Zittergras und Glockenblumen. Sie ging langsam und träge, unschlüssig, ob sie nicht stehenbleiben sollte. Ihre Füße, die der Sand bei jedem Schritt festhielt, zogen den Körper beschwerlich durch das Gestrüpp. Von den krumpeligen Kiefern kam ein staubiger Duft. Ab und zu kroch eine blaufeine Welle von Moorrauch über den Hügel.

Libellen strichen auf mit einem feinen Saitenklang, und Schmetterlinge glitten durch die Luft, wie gelbe Rosenblätter.

An der weichen Hügelbrust, wo die Birke so allein stand, setzte sich Marianne hin. Sie legte den Hut neben sich in das Heidekraut und streckte sich bequem aus. Die Gräser gaben ihr ein krauses Gefühl am Halse. Sie holte das Taschentuch heraus und legte es unter ihren Kopf. Dann huschelte sie sich zurecht und sah behaglich in den Himmel.

Der Hügel glühte, und die Blumen standen wie aus lauter Glas. Wenn der Erdhauch darüber glitt, gab es ein feines Klirren. Ihr Auge ruhte träge auf dem kurzen Horizont, wo jeder Stiel und jeder Strauch, jede Blüte und Blume auf den Himmel geklebt zu sein schien.