Der ganze flimmernde Sommertag kam ihr zu Hilfe, tiefte das Rosa, ließ die Haut leuchten, hob ihren Körper auf und zeigte dem armen, hilflosen Lehrer, wie schön sie war.

Der wußte nun gar nichts mehr. Er starrte nur immer zur Seite, dahin, wo der runde Hals im Kleide verschwand.

Marianne fühlte seinen Blick. Ein kleiner Triumph breitete sich in ihr aus. Sie empfand etwas von unbegrenzter Machtmöglichkeit. Aber auch ein flirrender Schleier schwebte vor ihren Augen, von der Nähe eines Augenblicks, da sie bewußtlos lächelnd alle Macht darangeben würde. Und wie sie daran dachte, stand dieser Augenblick auch schon neben ihr, und sie griff nach ihm.

Ihre Finger preßten sich fest um des Lehrers Hand. Und dann zog sie ihn langsam, ganz langsam zu sich herab.

Lukas Allm fühlte plötzlich ihren Atem und sah ihre schimmernde Haut. Ein Brausen siedete in seinen Ohren. Dann schlug es über ihm zusammen. Er fühlte feuchte Lippen ...

Vielleicht wollte er jetzt aufspringen und weglaufen, aber nun legten sich ihre Hände weich um seinen Nacken und hielten ihn fest. Und das änderte alles. Schließlich hatte er nicht umsonst seine Jugend fern von allen Wirklichkeiten verträumt und in seiner Heidestille eine Fülle unbewußter Sehnsucht und unverbrauchter Empfindungskraft aufgespeichert.

Seine Hände tasteten nach ihrem Kopf, faßten ihr Haar, glitten über den Hals und preßten ihren Körper.

Mit geschlossenen Augen lag Marianne da. Und er küßte ihre Lippen, ihre Wangen, ihre Augen, ihren Hals. Sehnsüchtig sog er ihren Duft. Er mußte Jahre wieder einholen, die vorübergedämmert waren!

Oh, und Marianne ...! Gold und glühendes Rot wogte vor ihren Augen. Schauer rieselten durch ihren Körper. Hierhin, dorthin flog ihr Empfinden. Jetzt war es in den Lippen und nahm seine Küsse, nun im Haar und zitterte unter seinem warmen Atem, nun wieder am Hals und bog sich voll Lust unter dem Kribbeln seines Bartes. Der ganze Leib ein Meer von Glut; ein Spannen in allen Nerven, ein Loslassen, das leuchtend schwer dahinfloß, eine bebende Wonne, die über ihrer Haut ausgestreckt war wie Seide oder Blumen oder streichelnde Hände.

So küßten sie sich.