»Aber Sie entscheiden sich nicht für die Bücher, auch wenn Sie sie lieber mögen?« fragte Julie gespannt.
»Nun mögen Sie für Ihre Ansicht reden,« lächelte der Pastor. »Diesen werden Sie nicht bekehren.« — Seine Zigarre qualmte in dicken Schwaden.
»Bekehren, das wissen Sie, Herr Pastor, ist nicht mein Geschmack.« Wie dieser Hinrich Teetje wohl mit einer Zigarette aussehen würde? dachte sie.
»Nein!« sagte Hinrich schlicht.
»Schade!« Julie interessierte sich für ihn. »Warum tun Sie nicht, was Ihnen Freude macht?«
»Ich habe meinem Vater, als er mir erlaubte, in die Stadt zu gehen, versprochen, daß ich kommen will, wenn er mich ruft, damit ich dann seine Arbeit tue.«
»Und ich meine,« sagte der Pastor und legte seine Hand auf Hinrichs Schulter, »solche Kindesliebe hat höheren Wert als die Jagd nach eigenem Glück.«
»Kindesliebe ist das nicht, Herr Pastor!« entgegnete Hinrich Teetje. Damit schloß er zu, und man hörte an dem Abend kein Wort mehr von ihm.
Wo des Pastorhauses einzige Palme stand, saßen Marianne und Lukas Allm. Die Palmenhände verdeckten begehrliches Kichern und halblaute Worte. Marianne schwamm im Vergessen alles Äußeren und hatte als Stütze nur des Lehrers rote Hand. Das Halbdunkel der Ecke gab ihr weite Träume, und die Luft der Prachtstube ließ sie sich als würdige Lehrersfrau fühlen. Hin und wieder nippte sie von dem süßen Stachelbeerwein.
Evelyn saß allein und blätterte in einem Bilderbuch des kleinen Hermann, der schon zu Bett gegangen war. ›Am Himmel schön die Sternlein stehn, die Glock’ schlägt zwei, sie gehn hinunter nach der Reih’ ...‹