„Eine einzige Säule zeugt von verschwundener Pracht“,[11] d. h. das Bild einer oben abgebrochenen Säule am Altar der Loge im Lehrlingsgrad des rektifizierten Systems, mit der Inschrift „Adhuc stat“ (noch steht sie) versinnbildlichte ursprünglich den Untergang des Templerordens; in der Freimaurerei will sie sagen, daß ein edles menschliches Gebilde, wenn auch zum Teile gebrochen, doch unerschütterlich fortbestehe.
Zwei Säulen stehen auf beiden Seiten des Eingangs zur Loge. Sie haben zu Vorbildern zwei eherne Säulen vor der Vorhalle des salomonischen Tempels; sie waren 18 Ellen hoch und trugen jede ein kupfernes Kapitell von 5 Ellen Höhe mit Schmuck von Lilien und Granatäpfeln. Zur Stütze dienten sie nicht, sondern nur zur Verzierung. Nach 1. Kön. 7,15-21 hießen sie, die zur Rechten Jachin (der Herr wird dich aufrichten) und die zur Linken Boas (in ihm [Gott] ist es stark oder: der Herr wird dich stärken). Dem Wortlaute gemäß ist in der Loge die erste der ein verkleinertes Abbild ihrer Vorbilder bildenden 2 Säulen dem Lehrlings- und die zweite dem Gesellengrade gewidmet. In vielen Lehrarten haben bei ihnen die beiden Aufseher oder Vorsteher ihren Platz. Die beiden Säulen stehen auch, ohne Stützen zu sein, im Dome zu Würzburg. Ob sie auch ein Vorbild der 2 Türme vieler Dome waren, wollen wir dahin gestellt sein lassen.
Drei Säulen oder Pfeiler der Loge, die den Tempel der Humanität stützen, werden die drei Ideen Weisheit, Stärke und Schönheit genannt. „Weisheit entwirft, Stärke führt uns und Schönheit ziert.“ Dargestellt werden sie einmal durch die drei obersten Beamten, den M. v. St. und die beiden A. oder V., und sodann durch die drei Pfeiler, in der Mitte der Loge, die drei Kerzen tragen, durch welche die Loge erleuchtet wird, und den Teppich umstehen, indem sie einen rechten Winkel bilden. Oft wechselt übrigens die Stellung der Pfeiler sowohl als der beiden Ideen der Stärke und Schönheit unter sich; bald nimmt jene den zweiten, diese den dritten Rang ein, den ersten aber immer die Weisheit.
Dreierlei Säulen hatten die alten Griechen, die sich mit den drei freimaurerischen Idealen vergleichen lassen: die dorische mit der Stärke, die ionische mit der Weisheit und die korinthische mit der Schönheit. Auch die neuere Zeit (vom Mittelalter an) weist drei hauptsächliche Kunststile auf: den romanischen, den gotischen und den der Renaissance, die sich wieder in eine Früh-, Hoch- und Spätrenaissance gabelt.
Aus dem N. T. kommt in Hochgraden das Kreuz in verschiedenen Gestalten (Τ, +, ⧧, ×) und kommen die Namen Tabor und Golgatha vor, deren Bedeutung keiner Erklärung bedarf.
Bibel, Altar und Säulen sind also die Sinnbilder der Gegenwart in der Freimaurerei; mit ihnen ist der Mystizismus der Vergangenheit, d. h. deren unsicheres, dunkles Tasten nach den Geheimnissen des Lebens (oder der Aberglaube) zur Mystik, d. h. zum bewußten Streben nach ihrer Lösung (oder zur Religion) übergegangen. Weiter, höher hinauf (Excelsior) muß die Zukunft führen.
c) Sinnbilder der Zukunft.
Aufgabe der Zukunft, deren Beginn wie bereits gesagt, nicht im nächsten Augenblick, sondern in ungeahnten Fernen liegt, muß es sein, aus bisherigen Dunkelheiten zur Klarheit, aus aufgedrängtem Glauben zur Gewissensfreiheit und aus dem mystischen Tasten zu bestimmteren Vorstellungen von dem zu kommen, was uns noch Mysterium ist. Dann wird das, was die Religion bisher erfolglos anstrebte, die geistige Einheit der Menschheit, unter dem Banner der Humanität erfochten werden.
Dieses hehre Ziel hat nach unserer Auffassung zum Sinnbilde den flammenden Stern, das höchste und herrlichste, wiewohl bisher noch wenig verstandene Symbol der Freimaurerei. Sein Bild entwickelte sich aus der in der königl. Kunst überall sich wiederholenden Dreizahl. Das gleichseitige Dreieck oder der Triangel, dessen Winkel zwei Rechten gleichkommen, bedeutete in verschiedenen Religionen die Gottheit. Es verbindet alle bereits ([S. 10 ff.] oben) erwähnten Dreiheiten. Da diese überall zu finden sind, da in der ganzen Natur aus dem männlichen und dem weiblichen Element das dritte, das Erzeugte, die Frucht, das Kind hervorgeht, bedeutet die Drei auch die Welt und damit das Weltbürgertum, dem die Freimaurerei entspricht.
Das Dreieck kann sich als Hexagramm verdoppeln: