c) Die Sonne.

Die Mutter aller Planeten und ihrer Trabanten, die Erzeugerin und Ernährerin alles Lebens auf ihnen, das sie selbst nur von der Allmacht erhielt, ist ein so riesenhafter Weltkörper, daß in ihrem Innern, wenn es hohl wäre, nicht nur alle Planeten Platz hätten, sondern verschwinden würden, ja darin der Mond bequem um die Erde kreisen könnte. Die Sonne ist ein Licht, dem kein Auge ohne angemessene Bewaffnung Stand halten kann, ein brennendes Feuer, dem nichts widersteht, für uns eine Offenbarung über alle Offenbarungen und die dafür gehalten werden. Wohl gibt es im Weltall noch weit mächtigere Sonnen, wie Sirius und viele andere, die aber bei ihrer unfaßbaren Entfernung für uns nur Lichtpunkte sind.

Die Sonne war, so sehr dies von gewisser Seite bestritten wird, der älteste Gott der höherstehenden alten Völker, denen ihre Kraft männlich erschien, wie der sanfte Mond weiblich; Helios und seine Schwester und Gattin Selene waren das erste Götterpaar der Hellenen, dem erst später der abstrakte „Himmel“ und sein Donner (Zeus) übergeordnet wurden. Nur den in kälterem Klima lebenden Germanen galt das umgekehrte Verhältnis („Herr Mond und Frau Sonne“, dagegen der Tag und die Nacht). Helios mußte heiß kämpfen, bis er, lange genug ein Planet geschimpft, durch den Domherrn von Thorn sein Recht als Herrscher im Planetensystem eroberte, das aber noch lange brauchte, bis es allgemein anerkannt war. Herr des Jahres war er schon früher geworden; diese Krone konnte ihm von der Erde und dem Monde nicht mehr bestritten werden; denn schon lange war das Jahr seine Lebensgeschichte, die sich jährlich erneuert und auf das scheinbare Erlöschen die Wiedergeburt folgen läßt. Auf seinen heidnischen Geburtstag (25. Dez.), in dessen Zeit die Tage wieder wachsen, verlegten die Christen den unbekannten ihres Gottessohnes.

Die Entfernung zwischen der Sonne und ihrem von uns bewohnten Kinde, der Erde, beträgt zwanzig Millionen und hundertundzwanzigtausend geogr. Meilen oder 149 Millionen Kilometer, die Lichtwirkung dauert acht Minuten, die des Schalles 14 Jahre! Die für einen mittelschnellen Eisenbahnzug erforderliche Zeit würde für jene Strecke über zwei Jahrhunderte betragen. Der Durchmesser der Sonnenkugel ist 110 Erddurchmesser oder 1400000 Kilometer lang; ihr Körperinhalt übertrifft den der Erde um mehr als das Millionenfache. Die Hitze dieses glühenden Körpers, von dessen Glut ja unser Leben abhängt, wird verschieden angegeben; die Berechnungen drehen sich um etwa hunderttausend Grad! Ein fester Körper scheint die Sonne nicht zu sein, eher ein gasförmiger.

In der Freimaurerei ist die Sonne bisher als „kleines Licht“ bezeichnet worden. Man könnte es für Hohn halten, wenn man nicht wüßte, daß der Ausdruck von ehrlichen Leuten herrührt. Wenn auch nicht als das größte, darf sie doch als Sinnbild des größten Lichtes, der Gottheit betrachtet werden. In ihr kommt die Weisheit zur höchsten Geltung. Sie ist eine unleugbare Offenbarung, gegenüber der das bisher für das erste „große Licht“ gehaltene Buch nicht aufkommen kann. Ein solches Werk wie die Sonne (und die Sonnen des Weltalls überhaupt) kann von den allerinspiriertesten Menschen nicht geschrieben werden. Es spricht Millionen Bände und bringt unermeßliches Leben an das Tageslicht. Es ist wirklich Zeit, in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen in der Logensprache einer naiven Zeit, die noch keine blasse Ahnung von dem hatte, was seither im Reiche der Geister geschaffen worden und in Zukunft noch geschaffen werden kann. Die Sonne ist daher auch ein Bild einer erleuchtetern Zukunft, von der sogar die heutige Gegenwart nur in einer beschränkten Zahl auserlesener Geister einen kleinen Begriff hat. Es sind Geister, die (s. oben [S. 97 ff.]) die wahren Meister sind und denen nachzustreben, statt auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln, der höchste Ehrgeiz der freimaurerischen Meister werden sollte.

Man vergißt viel zu viel, daß es ohne die Sonne keine Erde, also auch keine Menschen, keine Kultur, keine Kunst, keine Wissenschaft, keine Religion, keine Bibel und keine Freimaurerei geben könnte. Und sie sollte ein „kleines Licht“ genannt werden dürfen und die Bibel ein großes? Warum? Weil sie mit Sinnen wahrnehmbar und nur zeitweise sichtbar ist? Ist etwa die Bibel nicht mit Sinnen wahrnehmbar, ist sie nicht großenteils dunkel? Selbst wenn man annähme, daß die Bibel von Gott geoffenbart sei, welcher Begriff übrigens sehr unklar und bestritten ist, so müssen wir fragen: Ist die Sonne nicht viel sicherer und unendlich viel früher von Gott geoffenbart, und erleuchtet sie nicht eine Welt von Planeten, während die Bibel nur Juden und Christen, soweit sie gläubig genug sind, erleuchtet? Und dennoch nennen wir die Sonne nicht das größte Licht, sondern nur ein Licht, oder ein Sinnbild, ein Abzeichen des größten Lichtes, des a. B. d. W. Welche Auffassung ist wohl die höhere? —

Eine ebenfalls sehr naive freimaurerische Zusammenstellung, aber immer noch weit anmutender als die der gr. und kl. Lichter ist die des M. v. St. mit der Sonne, der beiden Aufseher mit dem Monde und der übrigen Brüder mit den Sternen. Es ist doch ein poetisches Bild statt einer trockenen dogmatischen Lehre. Man findet daher auch in Logen außer Sonne und Mond eine Darstellung des Sternenhimmels an der Decke. Damit geht doch die Freimaurerei in schöner Weise über das Alltägliche hinaus. Dahin gehört auch das Bild des Siebengestirns (den Namen tragen die Plejaden und der große Bär) auf freimaurerischen Denkmünzen und Büchern unter dem Auge Gottes, als Hinweisung auf die Ewigkeit und die Hoffnungen der Menschen, die sich an sie knüpfen.

Übersicht:

Erde.

Mond.

Sonne.

Vergangenheit.

Gegenwart.

Zukunft.

Schönheit.

Stärke.

Weisheit.

Lehrlinge.

Gesellen.

Meister.

im weitern und höhern Sinne.

11. Die Welträtsel.

Wer darf sagen: