[13] Breysig, Die Entstehung des Gottesgedankens und der Heilbringer. Berlin 1905. Gunkel, Schöpfung und Chaos. Göttingen 1895.
[14] Über diese Gegenstände handelt ausführlicher des Verf. Buch „Das Jenseits“. Leipzig 1881. S. 1 ff. und 80 ff.
12. Die Lehrarten.
Immer höher muß ich steigen,
immer weiter muß ich schaun.
Goethe, Faust II.
a) Die englischen Lehrarten.
Unter Lehrarten oder Systemen versteht man in der Freimaurerei die Art und Weise, wie in einem Lande oder an einem Orte die Freimaurerei gelehrt und durch Sinnbilder dargestellt wird.[15] Da die Freimaurerei (wie in unserer Schrift „Adhuc stat“, eingehender in den Geschichten der Freimaurerei gezeigt wird) ihre Heimat in England hat, so ist natürlich die englische Lehrart die älteste.[16] Ihre erste Einrichtung beruht auf dem von dem Prediger Dr. James Anderson im Jahre 1723 verfaßten Gesetzbuche, „Konstitutionenbuch“ genannt. Es war gerade die Zeit, in welcher die Werkmaurer, die die englische Großloge 1717 gegründet hatten, aus den leitenden Beamtenstellen verschwanden und durch Adelige und Gelehrte ersetzt wurden. Die Londoner Brüder waren jedoch nicht die einzigen im Lande; schon 1725 entstand in York eine eigene Großloge, die beinahe das ganze 18. Jahrhundert hindurch eigene Logen leitete, doch ohne die von London aus gestifteten zu behelligen. In demselben Jahre erscheinen hier die drei Grade zum ersten Male, und im Jahre 1730 trat der erste freimaurerische Katechismus an das Tageslicht. Es wurden bald darauf an der Stelle der bisherigen weißen Gleichförmigkeit in der maurerischen Kleidung für die Großbeamten farbige Unterschiede im Besatze der Schurze und in den Bändern eingeführt. Auch der Einheit des Bundes drohte in der nächsten Zeit eine Gefahr, nicht von der Großloge in York, sondern von einer neuen, die sich 1751 vorzüglich aus Irländern bildete und deren Mitglieder sich Ancient Masons, Alte Maurer, nannten, weil sie die alte echte Freimaurerei herzustellen beabsichtigten. Seitdem nannte man die früher entstandene Großloge die der Neuen Maurer (Modern Masons). Die sog. Alten Maurer hatten bis 1756 keinen adeligen Großmeister, wählten sich aber dann ebenfalls einen solchen. Beide Körperschaften lebten indessen im Frieden miteinander. Beide auch führten in den vierziger Jahren eine neue Abweichung vom alten Freimaurertum ein, nämlich den über den ersten 3 Graden stehenden „Royal Arch-Grad“ (Grad des königlichen Gewölbes), den ersten Keim des unseligen Hochgradwesens. Erst in den Jahren 1809 bis 1813 vereinigten sich die beiden Großlogen zu einer einzigen auf der Grundlage der vier Grade, mit Ausschluß aller „höheren“ oder der sog. Ritterorden. Dagegen setzte die 1736 gestiftete Großloge von Schottland an die Stelle des Royal Arch die beiden „Markgrade“ (die später in einen verschmolzen), und die von Irland (1731) anerkannte gleich eine ganze Menge von Hochgraden, sogar von Tempelrittergraden, doch ohne ihnen als solchen den Zutritt in die Logen der 3 alten Grade zu gestatten.
Schon früh, jedoch ohne alle diese Zutaten, fand sowohl das alt- als das neuenglische System Eingang in Deutschland, und zwar in dreierlei Gestalt: 1. in Frankfurt am Main 1742, wo die dortige englische Gründung (die spätere Loge zur Einigkeit) wacker gegen die damaligen ritterlichen und hochgradigen Verirrungen Stand hielt und sich 1783 zum Eklektischen Bunde entwickelte, der sich erst 1822 von der englischen Großloge trennte und zur selbständigen Großloge wurde. Seit 1844 ist hier die seit 1811 bestandene Ausschließung der Nichtchristen wieder aufgehoben, aber 1846 trennten sich vom Bunde die hessischen Logen und errichteten eine eigene Großloge in Darmstadt. 2. In Berlin arbeitete Ignaz Aurelius Feßler (1756-1839), der frühere österreichische Kapuziner, das Ritual der Loge „Royal York“ um 1800 in englischer Weise um, wobei an die Stelle höherer Grade ein Innerer Orient mit „Erkenntnisstufen“ höheren moralischen Gehaltes trat. Nach der Erhebung jener Loge zur Großloge verbreitete sich deren Ritual nicht nur über ihr Gebiet, sondern auch über andere Orte Deutschlands; doch fanden mehrfache Abänderungen statt, und an die Spitze der Inneren Oriente trat ein Innerster Orient; 3. In Hamburg wurde 1801 durch Friedrich Ludwig Schröder (1744-1816) das Gebrauchtum der dortigen Großen Loge durch Abschaffung aller Hochgrade verbessert und alles, was über den 3. Grad hinausging, in dem Engbund mit kritisch-historischem Charakter vereinigt. Dieses dem englischen nachgebildete System ist das der Großlogen von Hamburg und Sachsen und auch außerdem mehrfach verbreitet. Der Engbund hat jedoch seine Bedeutung längst eingebüßt, und sein Inhalt gehört der öffentlichen wissenschaftlichen Forschung an.
Im Hergange der Gebräuche unterscheiden sich die beiden englischen Systeme wesentlich nur durch die Stellung der beiden Aufseher (s. oben [S. 6]). Das neuenglische anerkennt 3 große Grundsätze: Bruderliebe, Hilfe und Treue, als die 3 großen Lichter die sonstigen 3 kleinen, und die sonstigen 3 großen L. bloß als die Logengeräte. Die 3 Umführungen werden nicht als Reisen (da ja Lehrlinge noch nicht reisen), sondern nur als Vorbereitungen zur Aufnahme betrachtet. England kennt weder die Elementarproben, noch Hut und Handschuhe in der Loge, auch die Kette nicht mehr, was alles aber in den deutschen Übernahmen der englischen Systeme gebräuchlich ist. — Dagegen blieben in England noch andere Sinnbilder, die in Deutschland nicht Aufnahme fanden. Ebenso verhält es sich mit den Royal Arch- und Merkgraden, die übrigens in England unter besonderen Behörden (Kapiteln) stehen. Die englische Lehrart hat gegenüber dem aristokratischen Wesen der Hochgrade einen wesentlich demokratischeren Charakter.