Sie waren durch einen Kameraden, dem sie neidlos höhere Begabung zuerkannten und durch dessen Belesenheit in moderner Literatur sie sich gerne imponieren ließen, auf die Beschäftigung mit der zeitgenössischen Dichtung hingeführt und so in einen Anschauungskreis gebracht worden, in dem kein Raum für die üblichen Burschenideale war. Nicht, als ob sie sich von gewissen, zwar verbotenen, aber darum erst recht ausgelassen lustigen Zusammenkünften der übrigen ferngehalten hätten, in denen verschiedene Prärogative des Studententums feuchtfröhlich vorweggenommen wurden, aber sie bildeten dabei mit noch einigen eine Art stilleren Extrawinkels für sich, und schließlich tat sich dieser zu einem ”literarischen Kränzchen“ zusammen, in dem man die damals gerade einsetzende moderne literarische Bewegung aufmerksam verfolgte und nicht weniger laut über Naturalismus und Idealismus debattierte, als es in den damals florierenden Literaturkampfblättern geschah. Wenn sich Franz und Karl dabei, auch hierin einmütig wie sonst, für M. G. Conrad, Liliencron, Conradi erhitzten und in einem gewaltigen Abscheu vor Paul Heyse erglühten, so konnten sie unmöglich noch Elan genug für Korps oder Burschenschaft aufbringen.

Im übrigen lagen sie nach wie vor ihren von der Schule gebotenen Studien fleißig ob und begannen auch nach und nach der Frage ihres zukünftigen Universitätsstudiums näherzutreten.

Dabei stellten sich aber schon Schwierigkeiten mit den beiderseitigen Eltern ein. Der alte Rittmeister wünschte seinen Sohn einmal als Juristen in Amt und Würden zu sehen, der Doktor konnte sich den seinen nur wieder als Mediziner denken, aber die beiden Literaturverehrer fanden, daß nur ein irgendwie literarisches Studium imstande sein werde, sie ganz auszufüllen.

Franz gedachte sich für romanistische, Karl sich für germanistische Philologie zu entscheiden.

”Dummes Zeug,“ erklärten die beiden Väter, die sich hier einmal in vollster Harmonie der Meinungen trafen und auch oft gemeinschaftlich miteinander zu Rate gingen, was wohl am besten zu tun sei, um die beiden Jungen, die sich jetzt zum erstenmal schwierig zeigten, auf den rechten Weg zu leiten.

Das war zur Zeit, als die beiden in Unterprima saßen und der Wohltat der ersten Tanzstunde teilhaft wurden.

Um diese Zeit begab es sich, daß Franz die Bemerkung machte, er sei in Karls Schwester Anna verliebt, und Karl gegenüber Klara, der Schwester Franzens, derselben Gefühle inne wurde.

Zuerst gestanden sie es einander und erteilten einander sogleich auch den brüderlichen Segen.

Sodann ging ein jeder zu seiner Schwester, des Freundes Brautwerber zu machen.

Und es ergab sich alles (woran auch keiner gezweifelt hatte) nach Wunsch. Das Quartett der heimlichen Liebe war fertig und stimmte aufs beste.