Zu Anfang dieser Fahrt hatte mich nur der Stolz beseelt. Ich, ich allein fuhr mit diesem berühmten Mann zu seinem Ehrentag! Morgen würde der Telegraph zweifellos aller Welt verkündigen, wie er geehrt wurde von Vertretern der Nation. Vielleicht kam einer, dem besonders reichliche Depeschenspesen bewilligt waren, auf den preiswerten Einfall, zu drahten: „Wie ich erfahre, traf der gefeierte Jubilar schon mit dem Nachtzug in seiner Heimatstadt ein. Inkognito[223] und nur begleitet von dem sympathischen jungen Schriftsteller...“
Ich fuhr mir stolzbeglückt durch die Haare, die ich mir damals noch wöchentlich einmal brennen ließ. Der „sympathische junge Schriftsteller“, der war also ich!
Ich nahm mir vor, sehr freundlich mit allen Leuten zu sein, in deren Besitz ich Depeschenformulare vermutete...
Allmählich wurde es unerträglich heiß im Coupé[224]. Eine trockene, atembenehmende Hitze. Ich neige gar nicht zum Transpirieren[225], aber im Verlauf von einer halben Stunde war ich, mit Respekt[226] zu vermelden, so naß wie ein Biber, der aus dem Wasser kommt.
Der große alte Mann vertrug offenbar die Hitze sehr gut. Er schlief mit offenem Mund und schnarchte.
Sonst beneidet das Alter die Jugend um ihren Schlaf. Diese Umkehrung der Regel war mir peinlich.
Der Zug hielt.
Ich sah hinaus, es war die Universitätsstadt Altburg. Auf dem Perron gewahrte ich bunte Mützen. Grüne, blaue und violette. Auch ein paar in Wachstuch gehüllte Fahnen. Bärtige Verbindungdiener liefen hin und her. Einer riß die Coupétüren auf.
„ Hier, meine Herren, ist viel Platz. Es sitzen nur zwei Herren hier.“
„Na, Tönnchen, denn mal rin ins Vergnügen! Wenn’s dich aushält, kommen wir auch mit!“