Gewissenserforschung

Die erste Beicht’.

D

Das gehörte zum Schrecklichsten, was der zehnjährige Knirps bisher in seinem Leben mitgemacht hatte — die Gewissenserforschung.

Ihr müßt aber nicht glauben, daß ich der Lump dieser Geschichte bin. Taufen wir also den Buben kurzweg — „Hansl“, damit das Kind einen Namen hat.

Die Mutter hatte für den Hansl schon in aller Früh’ beim Krämer einen großen Bogen Schreibpapier eingekauft, und einen Bleistift Nr. 1.

„Hansl“, sagt sie dann, von der Frühmesse heimgekommen, „da setz’ dich jetz’ her zum Tisch, mit dem G’sicht gegen das Kruzifix! Da hast Papier — hoffentlich langt’s — und jetzt denk’ einmal ernstlich nach, was du schon alles getrieben hast! Schreib’ dir’s fein auf, die groß’n Brock’n und auch die klein’, auf daß du deine Sach’n beinander hast für die erste Beicht’ heut’ nachmittag! So, jetzt laß i dich allein!“

Dann begab sich die Mutter mit schlürfendem Tritt in die Küche und hantierte dort herum; aber viel stiller als sonst, um den Gewissen erforschenden Hansl in der Stube drin ja nicht zu stören.

Also; da sitzt er jetzt, der Hansl! Eigentlich klebt er nur an der äußersten Kante des Stuhles. Bald nagt er am Bleistift, bald, wenn ihm ein großer „Brock’n“ einfällt, fährt er sich ins Haar, das wie Strohgarben aus seinem Kopfe schießt.

Hin und wieder schleifte er mit der aufgestellten Hohlhand blitzschnell über die Tischfläche und, wohlgemerkt, nie vergebens. Jedesmal zog er zwischen den sich vorsichtig öffnenden Fingern eine oder auch mehrere Fliegen hervor, er drückt ihnen heute bloß die Köpfe ein, Flügel und Füße läßt er in anbetracht der bevorstehenden Beichte ungeschoren.