Antwort: »Weil sie sie nie gesehen haben.«
Ich: »So hättet am Ende Ihr sie gesehen?«
Er: »Wohl.«
Tat ich erstaunt und fragte: »Ei: im Traume?«
Antwortete er: »Es ist kein Unterschied zwischen dem, was ihr in Traum und Wirklichkeit spaltet.«
Sagte ich: »Nun: man träumt im Schlafe und sieht wach.«
Betrachtete er mich erstaunt: »Und der Unterschied?«
Ich konnte es ihm nicht erklären, oder, wie ich besser sage: er stellte sich an, als begriffe er nicht, was doch auf der Hand liegt (wie es denn immer seine Art ist, Selbstverständliches unverständlich zu nennen). Also blieb mir verhohlen, wie das mit der Madonna gemeint.«
Ein andermal: »Fand ihn vor einem gar schändlichen Bilde. War der Christ am Kreuze zwischen den beiden Schächern. Es graute mir, als ich sah, daß er sich selbst als den Gekreuzigten gemalt hat, aber, so dies möglich, noch scheusäliger, als er wahrlich ist. Und war über und über voll Blutrunst. Hing ihm aus der Wunde vom Spieße des Lanzknechts geronnenes Blut traubendick und von der Schulterwunde wie rote Maiskolben. Saß im Brusthaar wie Grind. Hatte sich im Schamtuch ekel gesackt. War wie der geschundene Marsyas.«
»Dies ist nicht Jesus,« schrie ich auf, »dies ist der Teufel Oberster, den Ihr vor dem Spiegel gemalt!«