»Licht!« schrie der Graf den Korridor hinaus.

Niemand kam.

»Sie fürchten sich. Wer fürchtete sich hier nicht?« murmelte der Florentiner.

»Was könnte ich noch zu fürchten haben,« murmelte tonlos der Graf und schritt zur Türe.

Links neben der Tür stand am Boden die Laterne. Er hob sie hoch. Ihre Verrahmung und die ausgeschnittene Ornamentierung der Haube warfen ein Rankennetz von Schatten an Decke und Wand. Da die Hand des Grafen zitterte und die Laterne sich in der Handhabe drehte, war es ein huschender Tanz von Schatten und Licht. Da fiel aus der größten Scheibe ein gelber Schein auf etwas Geducktes, Schwarzes in einer Ecke.

Der Graf ging unsicheren Schrittes darauf los, machte das Zeichen des Kreuzes und murmelte: »Bist du es?«

Das Wesen, nun wieder verschattet, duckte sich noch mehr zusammen und knurrte tückisch.

Da ergriff den Greis eine wahnsinnige Wut. Er riß den Dolch aus der Scheide und warf sich mit dem ganzen Gewichte seines Körpers vornüber auf das Dunkle, den Dolch voran. Er fühlte einen heißen Hauch in seinem Gesicht und heißes Blut über der Faust. Wild packte er mit beiden Händen zu, und zwischen seinen eingekrallten Fingern verreckte eine riesige Wildkatze. Er trug sie, die Hände weit vor sich gestreckt, keuchend zum Zimmer und warf den noch zuckenden Leib auf das Bett Maria Biancas. Dann kniete er nieder, schlug die blutigen Hände vors Gesicht und betete – für die Seele seiner Tochter.

Die Gräfin lag ohnmächtig vor dem Bett. Auf ihre Stirn tropfte das Blut des Tieres.

Messer Giacomo schreibt: »Auch ich hatte schier die Besinnung verloren. Das Herz saß mir im Halse. Ich fühlte sein Pulsen im Hirn. Vor meinen Augen war ein roter Dampf. Ich weiß nicht: war das das Blut, das mir so heftig zusetzte, oder höllische Vortäuschung. Durch das rote Dunkel hindurch sah ich die Augen des Teufeltieres verlöschen: und es waren genau die Augen Maria Biancas. Ihr letzter Blick, voller Wut, galt mir. Ich wehrte dem Bösen mit dem Kreuze und kniete gleichfalls nieder, für die arme Seele zu beten. Dann trugen wir, der Graf und ich, die edle Dame in ihr Gemach, beide im Herzen dankbar, daß sie nicht zu sich kam. Darauf erzählte ich dem unglücklichen Vater alles, was ich wußte. Wer etwa Zweifel daran gehegt hätte, daß der aus altrömischem Heldenblute stammte, der würde sich jeglichen Zweifels daran wohl begeben haben angesichts der Größe und Festigkeit, mit der der Graf nach Anhörung meines Berichtes nichts weiter sagte als: »So bleibt mir nur noch übrig, auch ihn auszutilgen.«