Ein bißchen dumm waren die drei jungen Junggesellen schon, wie man sieht. Aber was will man bei so ungenügenden Volksschulverhältnissen, wie sie in den Raubritterzeiten herrschten, anders verlangen? Es war halt das finstre Mittelalter.
Also: gut ging's im allgemeinen. Es kriegte jeder sein Annemargretisch Teil, und, ein paar Verdachtswolken abgerechnet, die sich hier und da über dem Haupte Rolfs gleich schwarzen Kutteln himmlischer Riesenkühe zusammenzogen, trübte nichts die verliebte Selbstsicherheit jedes einzelnen.
Ralph blies bereits schelmische Triller auf der Klappentrompete, Welf verübte ganz virtuos leidenschaftliche Donnerwetter der Liebe auf der Kesselpauke, und Rolf hatte ungefähr sämtliche Reime beisammen, die die deutsche Sprache auf et hergibt. Es wurde fast idyllisch auf Wolfsturm und sämtliche Bewohner dieses adeligen Sitzes, Christoph und die gewaltigen Streitrosse nicht ausgenommen, setzten einigermaßen Fett an.
Da kam das Schicksal in Ritterstiefeln und trat alles entzwei.
Es war ein schöner, klarer Herbsttag und die Weinlese eben vorüber.
Welf saß oben auf dem Geländer des Turmumgangs und guckte aus. Plötzlich rief er in den Hof hinab, wo Margaret eben die drei Paar Ritterstiefel im Brunnentrog spülte: »Ralph und Rolf: wo stecken die Junker!?«
»Im Keller und klopfen die Tonnen ab, wieviel noch Wein drinnen.«
»Ha, das ist gut, bei meiner Seel'! Ruf sie herauf!«
Annemargret schickte ein gutes Blickchen empor, das mit eisengepanzerter Kußfaust sehr ritterlich erwidert ward, beugte sich zu einer allerliebsten Rundung zusammen, daß Welf beim Anblick der kühn ausgebogenen Hinterfülle vor Entzücken stöhnte und rief mit süßer Stimme ins dunkle Kellerloch: »Junkerchen, herauf! Der Welf hat was!«
Ralph und Rolf traten gebückt aus der niederen Kellertür und schrien zum Turm: »Hallo, was ist?«