So ward ein Mime heilig, weil am Ende
Von vieler Eitelkeit und Narretei
Sein Leben er wie eine Opferspende
An Gott gab. Ganz egal, ob der der rechte sei,
Ob ein Idol gewesen. Seine Hände
Wusch Herr Pilatus, dem das Volksgeschrei
Wie aufgewirbelter Schmutz vorkam, und fragte,
Worauf kein Gott: jedoch die Zeit bald Antwort sagte.
Wahr ist, was wirkt. Der große Baal war Wahrheit;
Der große Zeus desgleichen; Jahve auch;
Und Christus, kommend aus der großen Klarheit,
Das jene tot, hat mit der Liebe Hauch,
Der problematischen, in Offenbarheit
Ins Nichts vertrieben ihrer Opfer Rauch.
Wahr ist der Geist, der wirkend souveräne.
Dogma ist Aas. Wer liebt das? Die Hyäne.
Gelasimus, den heiligen Mimen, haben
Die Christen Baalbeks noch in gleicher Nacht
In Mariamna feierlich begraben.
Auch jene haben sie dorthin gebracht,
Die ihn erfüllte mit des Glaubens Gaben.
Doch ihres Namens wurde nicht gedacht.
Vergessen ist sie: eine Namenlose.
Denn Gelasim besaß die größere Pose.
So schließt denn leider diese Novellette
Moralisch zwar, doch etwas angeeckt:
Selbst in Legenden geht's wie beim Ballette
Nicht nach Verdienst bloß zu, nein, nach Effekt:
Wer vorne tanzt, der nur wird vom Parkette
Beopernguckt und mit Applaus bedeckt.
Ob Heiligen-, ob braune Kassenscheine:
Die Hintergrundtalente kriegen keine.
Gleichviel: Jungfrauen mit der Gloriole
Gibt's ohnehin schon eine große Schar,
Indes ein Mime mit der Tänzersohle
Als Heiliger ein großes Novum war:
Die Kirche brauchte ihn zum Seelenwohle
Der Mimenschaft, die, wäre sie heiligenbar,
Am Ende in Verlegenheiten käme,
Wen sie beim Herrgott sich zum Fürsprech nähme.
Zwar sagt man, daß sie nicht sehr häufig beten,
Die untenher das Licht der Rampe trifft,
Daß sie, gottloser fast noch als Poeten,
Voll sind von aller Skeptizismen Gift.
Das ist Verleumdung: Fehlen die Moneten,
Ist man viel frömmer als im Damenstift,
Im Reich der Schminke. Und sie fehlen häufig:
Drum ist den Mimen Beten sehr geläufig.
Wenn sich der Monat neigt zum kahlen Ende,
Hat Gelasim unendlich viel zu tun,
Am Anfang weniger. Dann läßt die Hände
Gemütlich er im heiligen Schoße ruhn
Und überdenkt die eigene Legende:
Es ist, wie's war, war ehedem, wie nun:
Der Mensch hat's mit dem Beten nicht sehr eilig –
Ich wurde selbst auch Ultimo erst heilig.