Flußfahrt im Frühling
Welch ein Ziehen! Welch ein Gleiten!
Zwischen Schilf und alten Weiden,
Die sich beugen, die sich neigen,
Fahren wir – wohin? … wohin?
Laßt das Fragen! Laßt uns schweigen!
Welle mag den Weg uns zeigen,
Führerin und Trägerin.
Wie im Leben hingetrieben,
Schwankend, schwebend, fortgezogen,
Wollen wir des Flusses Bogen
Träumend folgen und ihn lieben,
Der uns so ins Weite trägt.
– Wird es helle sein am Ziele?
Dunkel? – Wehe dem, der frägt!
Fragen gibt es allzuviele,
Antwort eine nur. – Es regt
Hohl sich unter unserm Kiele.
Laßt um unsere heißen Hände
Diese kühlen Fluten streichen.
Nixenseelchen, nehmt's als Zeichen
Unserer stillen Liebe an!
– Ach, wen eure Liebe fände:
Tiefstes wüßte wohl der Mann …
Doch er schwiege bis ans Ende.
Aber wir … nein! –: Laßt uns sagen,
Was durch unsre Seele geht!
Wind und Wasser sollen's tragen,
Daß es durch den Frühling weht:
Frisches, fröhliches Behagen,
Lust am Nachten und am Tagen
Leben, das in Blüten steht.
Der stille alte Goethe.
Auf meinem grünen Kachelofen in meinem grünen Schlafkabinette,
Schräg gegenüber meinem gelben Messingbette,
Steht Christian Rauchs kleine Goethestatuette.
Von der grünen Tapete bekommt sie einen grünen Schein.
Sie ist bloß aus Gips, und Frau Lisette
Findet, daß sie kein Verhältnis zum Ofen hätte:
Sie sei zu klein.
Aber, seh ich sie an, fällt mir allerhand ein,
Was ich (nicht im Schlafzimmer) zu tun noch hätte:
Der stille alte Goethe mahnt, tätig zu sein.