d) ausschließend (nach Verneinungen). Nach verneinenden Wörtern steht als, nicht wie. Daher sagt man richtig: Niemand als du kann das getan haben, er redet anders, als er denkt (nicht: wie er denkt), ich wünsche nichts als Ruhe usw. Nicht zu verwechseln ist hiermit die Konstruktion: Niemand hat gekämpft wie du u. ähnl. Hier gehört die Konjunktion nicht zu niemand, sondern zum Verbum. Niemand als du hat gekämpft, d. h. du allein hast gekämpft; niemand hat gekämpft wie du dagegen heißt: es kämpften noch viele außer dir, aber keiner so tapfer (oder so ausharrend u. ähnl.) wie du.

e) Das Zusammenstoßen zweier als ist zu meiden. Man gebraucht dann besser das alte vergleichende denn, z. B.: Lieber betteln, denn als Gaukler (nicht: als als Gaukler) sein Brot verdienen. Er erschien mehr als Freund, denn als Feind.

27. Wortstellung.

Die Wortstellung hat für die schriftliche Darstellung dieselbe Bedeutung wie der Redeton für den mündlichen Vortrag. Eine falsche Wortstellung verletzt genau so wie eine falsche Betonung.

a) Man vermeide alles Gezwungene und Unnatürliche in der Wortstellung. Nicht gut ist die Wortstellung z. B. in folgenden Sätzen: „Er bequemte sich, für gute Zahlung mit Blumen und Früchten manche Abteilung zu verzieren“ (statt: manche Abteilung mit Blumen und Früchten zu verzieren). — „Diesmal ward um Mitternacht eine außerordentliche Sitzung auf den anderen Morgen durch den Gerichtsboten angesagt“ (statt: durch den Gerichtsboten eine außerordentliche Sitzung angesagt). — „Christen, die aus eigener Erkenntnis es sind“ (statt: die es aus eigener Erkenntnis sind).

b) Man vermeide nachklappende Satzteile. Unschön sind in schlichter Prosa Sätze wie: „Dieser neue Kummer hat tief gebeugt das greise Haupt“ (statt: das greise Haupt tief gebeugt). — „Er war dein Gast und hatte sich gesetzt an deinen Herd.“ Nur bei großem Schwung der Rede oder in poetisch gefärbter Prosa ist ein solches Nachsetzen der näheren Bestimmung gestattet; man vgl. z. B. Fichtes Reden. — Durchaus verwerflich ist jedoch eine Wortstellung wie die folgende: „Ich nahm von meinen Freunden dankbar alles, was mir angeboten, gegeben, nein aufgedrängt wurde, an.“

c) Man ordne namentlich die Adverbialbestimmungen an rechter Stelle ein, um so Zweideutigkeiten zu vermeiden. Falsch ist z. B. die Wortstellung in den Sätzen: „Ich bitte mein Ausbleiben höflichst entschuldigen zu wollen“ (statt: Ich bitte höflichst, mein Ausbleiben entschuldigen zu wollen). — „Der Präsident zeigt das Ableben des Abgeordneten des dritten Wahlbezirks nach dreitägiger Krankheit an“ (statt: das nach dreitägiger Krankheit erfolgte Ableben) usw.

d) Negationen und hervorhebende Partikeln stehen in der Regel unmittelbar vor oder nach dem Worte, das verneint oder hervorgehoben werden soll, z. B.: Nicht euer Mut macht mich staunen, sondern eure Keckheit. — Auch ich war in Arkadien geboren. — Man unterscheide: Ich wenigstens hoffe noch darauf. Ich hoffe wenigstens noch darauf. Wenigstens darauf hoffe ich noch. — Ich selbst habe es dir gesagt. Ich habe es dir selbst gesagt. — Ich allein habe dich verteidigt (kein anderer). Ich habe dich allein verteidigt (deine Genossen nicht mit).

e) Man vermeide die Umstellung des Subjekts nach und. Häßlich klingen Sätze wie: Der Dichter war an diesem Orte geboren, und fanden seine Werke dort die ersten begeisterten Verehrer (statt: und seine Werke fanden). Nur im Volkstone, z. B. in Märchen, Sagen, ist diese Umstellung gestattet (vgl. z. B. Grimms Märchen); sie ist altes deutsches Sprachgut, wie etwa die doppelte Verneinung, und unterliegt daher der nämlichen Beurteilung.

[12] Bei Luther findet sich neben sieh die Form siehe, und nach ihm haben auch Goethe u. a. beide Formen angewendet. Man kann die Form siehe daher als Ausnahme gelten lassen.