c) Nebensätze, von denen der eine dem anderen untergeordnet ist, sind so viel als möglich durch verschiedene Konjunktionen einzuleiten. Von zwei Bedingungssätzen, die im Verhältnis der Unterordnung zueinander stehen, würde z. B. am besten der eine mit wenn, der andere mit falls zu beginnen sein, z. B.: „Es ist immer rührend, wenn auch der schwache Nestor sich dem ausfordernden Hektor stellen will, falls kein jüngerer und stärkerer Grieche mit ihm anzubinden sich getraut.“ Lessing. — Stehen zwei Relativsätze im Verhältnis der Unterordnung zueinander, so wendet man abwechselnd der und welcher zur Verknüpfung an, z. B.: „Er (Ignatius Loyola) hatte die unbeschränkte Leitung einer Gesellschaft in Händen, auf welche ein großer Teil seiner Intuitionen überging, welche ihre geistlichen Überzeugungen mit Studium auf dem Wege bildete, auf dem er sie durch Zufall und Genius erworben hatte; welche zwar seinen jerusalemischen Plan nicht ausführte, bei dem sich nichts erreichen ließ, aber übrigens zu den entferntesten, erfolgreichsten Missionen schritt und hauptsächlich jene Seelsorge, die er immer empfohlen, in einer Ausdehnung übernahm, wie er sie niemals hatte ahnen können; welche ihm endlich einen zugleich soldatischen und geistlichen Gehorsam leistete.“ Leopold von Ranke. Zu tadeln sind demnach Sätze wie die folgenden: „Der Fremde, welcher das Haus, in welchem (statt: in dem) er seine Kindheit verlebt hatte, wieder betrat.“ — „Ein Bedienter, der lange Zeit treu und redlich einem Herrn gedient, der aber nun gestorben ist (statt: welcher nun gestorben ist), sucht ein anderweitiges Unterkommen.“

31. Stellung der Sätze.

a) Die Objektsätze und Adverbialsätze folgen in der Regel dem Hauptsatze nach; nur wenn sie hervorgehoben werden sollen, erhalten sie ihre Stellung vor dem Hauptsatze. Regelmäßig: „Ich sehe, daß ihr meiner nicht bedürft.“ „Wie wurde mir, als ich ins Innere der Kirche trat.“ Inversion: „Daß er betrogen ist, kann er nicht sehen; daß sie Betrüger sind, kann ich nicht zeigen.“ „Wohin er tritt, glaubt er von Feinden sich umgeben.“ „Und wie er sitzt und wie er lauscht, teilt sich die Flut empor.“

b) Attributsätze stehen in der Regel unmittelbar nach dem Worte, das durch sie näher bestimmt wird, z. B.: „Die Hoffnung, daß sie endlich doch den Sieg über ihre Bedrücker erringen würden, erhielt unsere Vorfahren in schwerer Lage aufrecht.“ Andere Beispiele s. S. 40.

c) Subjektsätze stehen in der Regel vor dem Hauptsatze, z. B.: „Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.“ Nachgestellt wird der Subjektsatz, 1. wenn er einen weit größeren Umfang hat als der Hauptsatz, z. B.: „Daß er das Gute will, ist außer Zweifel; aber leider ist es ebenso gewiß, daß geistige Beschränktheit ihn verkehrte Mittel zu guten Zwecken ergreifen und Schwäche des Willens ihn auch ergriffene rechte Mittel nicht durchführen läßt“; 2. wenn der Hauptsatz hervorgehoben werden soll, z. B.: „Es ist so schwer, im Freunde sich verdammen.“ „Ganz unleidlich ist’s, was wir erdulden“; 3. wenn der Hauptsatz ein Fragesatz ist, z. B.: „Ist’s denn so nötig, daß er sich entfernt?“

d) Zwischensätze dürfen nicht zu lang sein. Nicht gut ist z. B. der Satz: „Der Brocken, welcher die höchste Erhebung des Harzes bildet und schon während des ganzen Mittelalters wohl bekannt war und namentlich in der Sage eine große Rolle spielte, aber noch nicht von fröhlichen Wanderern, sondern höchstens von unheimlichen Hexen bestiegen wurde, gewährt selten eine gute Fernsicht.“ Der Zusammenhang des übergeordneten Satzes wird hier durch den Zwischensatz fast aufgelöst. Sind lange Zwischensätze nicht zu vermeiden, so muß nach Beendigung des Zwischensatzes der übergeordnete Satz von neuem begonnen werden, z. B.: „Daß die Vorsteher jener helvetischen Republiken weder den Herrn Linguet noch seine Annalen für wichtig genug gehalten, sich um ihretwillen auch nur der geringsten Unannehmlichkeit auszusetzen, die daraus hätte erfolgen können, wenn Blätter, worin nicht nur so viele öffentliche Korps und Gesellschaften in Frankreich aufs heftigste angegriffen werden, sondern selbst über Nationen, Könige, Fürsten und öffentliche Welthändel mit zynischer Freiheit ins Gelag hinein räsoniert wird, wenn, sage ich, Blätter dieses Schlages öffentlich aus einer helvetischen Druckerei hervorgegangen wären.“ Wieland.

e) Wenn ein Nebensatz in einen anderen eingeschoben wird, so darf er nicht gleich nach der Konjunktion des übergeordneten Satzes eingeschaltet werden, sondern es muß mindestens ein den Inhalt andeutendes Satzglied (Subjekt, Objekt usw.) voraufgegangen sein. Nicht gut ist daher der Satz: „Es genügt, wenn, da der Geist immer unbewußt danach verfährt, er für jeden einzelnen Teil einen solchen Ausdruck findet, der ihn wieder einen anderen mit richtiger Bestimmtheit auffassen läßt.“ Richtig ist dagegen der Satz: „Wie glücklich war ich, daß tausend kleine Vorgänge zusammen, so gewiß als das Atemholen Zeichen meines Lebens ist, mir bewiesen, daß ich nicht ohne Gott auf der Welt sei.“ Goethe. Ist ein Nebensatz in einen Relativsatz eingeschoben, so kann er unmittelbar auf das Relativpronomen folgen, da das Relativpronomen nicht bloß zur Verknüpfung dient, sondern zugleich ein wichtiges Satzglied im Relativsatze bildet. Tadellos ist daher der Satz: „Jeder hat etwas in seiner Natur, das, wenn er es öffentlich ausspräche, Mißfallen erregen müßte.“ Goethe.

f) Adverbialsätze dürfen nicht, wie im Lateinischen, unmittelbar nach dem Subjekte des Hauptsatzes stehen. Fehlerhaft sind daher die Sätze: „Orgetorix, nachdem er sich des Adels versichert, kam in die Gemeinde der Eidgenossen.“ „Der Major, als er in sein Zimmer trat, fühlte sich wirklich in einer Art von Taumel“ usw.

g) Konditionalsätze, die die Form eines Fragesatzes haben, müssen immer dem Hauptsatze vorangehen, z. B.: „Ist sie begeistert und von Gott gesandt, wird sie den König zu entdecken wissen.“ Schiller. Falsch dagegen: „Jede Form, wie köstlich auch immer ihr Inhalt sei, hat sie einmal ihre Zeit überlebt, kann so wenig als der Leichnam eines Menschen wieder erweckt werden.“

h) Einschachtelung von Nebensätzen ist zu vermeiden. Zu tadeln sind Sätze wie die folgenden: „Christliche Prediger, die sich durch den Ernst, mit welchem sie sich mit den inneren Kämpfen des religiös bewegten Lebens beschäftigten, auszeichneten, waren willkommen.“ — „Die Gesetze der Schwere, wie sie Newton und andere große Astronomen, welche dadurch einen Ruf, der bis in die Ewigkeit dauern wird, erlangt haben, aufstellen, sind jetzt allgemein bekannt.“